Skilager im Harz – Der Dreieckige Pfahl

Viele, die den Brocken von Westen her erwandern kommen fast zwangsläufig hier vorbei – an der Kreuzung Dreieckiger Pfahl. Benannt nach einem 1,35m hohen Grenzstein aus Granit, welcher die frühere Grenze des Königreiches Hannover und des Herzogtums Braunschweig markierte, treffen hier mehrere Wege im Nationalpark Harz aufeinander. Unweit des Grenzsteins markiert ein mannshoher Stamm in schwarz-rot-gold die ehemalige innerdeutsche Grenze und ist begehrtes Fotomotiv. Damals teils Sperrgebiet, heute beliebtes Ausflugsziel von Wanderern, Familien mit Schlitten und eben Skilangläufern.

 

An dieser Weggabelung oberhalb der Quellen von Ecker und Bode stehen an diesem Samstag elf mutige Athletinnen und Athleten des Potsdamer Laufclubs & Friends. Hinter uns liegen bereits zwei Stunden Skitraining und, zumindest laut meiner Uhr, schweißtreibende 9 km auf sehr dünnen Langlaufbrettern. Gegen 10 Uhr sind wir von unserer Unterkunft in Torfhaus losgelaufen. Zumindest für mich als Langlaufanfänger eine gefühlte halbe Weltreise. Durch wahnsinnig gute (Familien+Vereins)-Connection von Alex Schirrmeister aus der ehemaligen TG Mittelstrecke durften wir im Vereinshaus des Skiklub Oker/Harz e.V. für einige Nächte unterkommen und hier drei fantastische Tage verbringen.

 

Der Schneegott war uns holt und hatte bereits am Donnerstag die Loipe und alles was sich über 800m Höhe befand, in ein glitzerndes weißes Gewand gehüllt. Alex hatte sich um alles gekümmert und in den vergangenen zwei Stunden war es uns unter teils schwierigen Loipenbedingungen gelungen, hierher zu kommen. Leider wurde eine buckelige und vereiste Bergabpassage Elke zum Verhängnis und sie konnte nach einem Sturz frühzeitig nicht mehr weitermachen. Gemeinsam mit Ihrem Andreas mussten sie den Weg zur Hütte antreten.

 

Am gestrigen Freitag lief es für alle noch weitestehend gut. An unserem ersten Tag hatten wir gemeinsam viel Spaß bei der Skigewöhnung in Sonnenberg. Zunächst schauten wir bei den Biathlon Stars von Morgen vorbei. Zufällig fanden die deutschen Meisterschaften der Jugend und Junioren an diesem Wochenende in Sonnenberg statt und wir nutzen kurz die Gelegenheit einen Blick auf die zukünftige deutsche Elite zu werfen. Einzig eine zukünftige Olympiasiegerin oder Olympiasieger, vielleicht schon in Cortina d’Ampezzo 2026, konnten wir im Nebel nur schwer ausmachen. Auf einer nahen Wiese erlernten wir spielend und vertiefend unter beeindruckend fachkundiger und freundlicher Anleitung von Alex die Grundelemente auf dem Ski und unternahmen eine erste 12 km Tour zur Hanskühnenburg, einer rustikalen Waldgaststätte mit Aussichtsturm und Geweihzimmer.

 

Geschafft vom langen Ausflug und zurück in der Hütte war nun aber noch nicht Schluss. Es folgte der Theorieunterricht. Alex zeigte uns ein paar Lehrvideos zur Fortbewegung auf Skiern. Den Armwinkel zur optimalen Kraftübertragung beim Stockeinsatz von exakt 58 Grad, oder waren es 75 Grad (?) werde ich wohl nie verinnerlichen. Ich bin froh, wenn ich die Stöcke nicht im Passgang, dafür möglichst körpernah neben der Bindung einsetze, tief gehe und mich nach vorn abstoße, dabei einen Stock nach vorn, den anderen nach hinten schwinge, mich aufrichte, dabei die Bogenspannung beachte und immer schön locker bleibe… An dieser Stelle sei außer der Reihe erwähnt, dass der PLC einen Walking Trainer für eine entsprechend neu zu bildende Gruppe sucht. Ich für meinen Teil dachte mehrfach am Wochenende darüber nach, dass ein sicherer Umgang mit diesen Stöckern mir sicherlich die Fortbewegung in manchen Teilen erleichtert hätte. Den Rest des Abends verbrachten wir mit leckerem Curry im Bauch in geselliger Runde.

 

Über Nacht war dann der Muskelkater bei uns eingezogen. Besonders beim Treppensteigen in der Hütte machte er sich bemerkbar und die ungewohnten Belastungen bestimmter Muskelgruppen vom Vortag zeigten bei einigen Wirkung. Die Frühaufsteher unter den Teilnehmenden störte das allerdings wenig. Sie hatten nicht nur Schneeschuhe, sondern auch Laufschuhe eingepackt und ließen es sich nicht nehmen jeweils vor dem Frühstück eine kleine Runde durch das Torfmoor entlang des Harzer Wasserregals zu joggen.

 

Nach einem leckeren Frühstück mit Brötchen ging es nun gestärkt in den heutigen Tag. Skigymnastik, Gleichgewichtsübungen, Schussfahrt in der Hocke und eine Tour durch die Hopfensäcke führten uns schließlich zum Dreieckigen Pfahl. Bis zum Gipfel des Brockens ist es nicht mehr weit könnte man meinen. Wie ein Fels in der Brandung steht der 1.142 m hohe Koloss inmitten des Nationalpark Harz zwischen den Bundesländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. An dreihundert Tagen im Jahr herrscht auf dem Gipfel Nebel oder Sturm. So auch am Freitag, Samstag und Sonntag. Unser primäres Ziel war auch nicht der Gipfel, wir wären mit Ski sowieso nicht dort hinaufgekommen, sondern die Langlaufstrecken unterhalb und in der näheren Umgebung. Bis auf einige kleine Wolkenlücken blieb uns der Gipfel verborgen. Da aber gerade die Sonne wieder herauskam nutzen wir die Gelegenheit und verlängerten unsere Runde. Nach 18 km waren wir (endlich) zurück. Ich war froh endlich die Skistiefel ausziehen zu können und zu duschen. Während mir 18 km joggen sonst eher wenig ausmachen, empfand ich diese Belastung als deutlich anstrengender. Andere konnten wiederum nicht genug bekommen und hatten sich unterwegs entschieden noch ein paar extra Kilometer zu fahren.

Ich für meinen Teil habe an diesem Wochenende einiges über nordamerikanische Vögel, Langstreckenhosen und trainingsgruppenübergreifende Gemeinsamkeiten gelernt. Wer damit jetzt nichts anfangen kann, dem sei das nächste Skilager wärmstens empfohlen. Zudem bin ich froh ohne Corona und ohne Arm und Beinbruch zurück gekommen zu sein. Und ganz nebenbei gesagt, dass sind ganz nette Leute, die vom Potsdamer Laufclub.

 

Ein ganz großes Dankeschön an Alex und an alle diejenigen, die zum Gelingen dieses Trainingslagers beigetragen haben.

geschrieben von Mario Heinemann