Rennsteiglauf 2021 – herzlichen Glückwunsch Jean-Luc Gerlach zu 42,2km und etwa 800 Höhenmetern

48. Rennsteiglauf am 2. Oktober 2021

Eigentlich sah es auch für das Jahr 2021 danach auch, dass der für Mitte Mai angesetzte Rennsteiglauf wegen der Corona-Pandemie ausfallen würde. Um so überraschender kam dann im Sommer die Mitteilung, dass der Rennsteig-Herbstlauf nicht durchgeführt und an dessen Stelle der Rennsteiglauf stattfinden wird. So sind wir dann am Freitag von Potsdam aufgebrochen und nach Schmiedefeld zum Gasthof „Grüner Baum“ gefahren. Auch nach der Pause von mehr als zwei Jahren hatte ich das Gefühl, gerade erst einen Tag vorher abgereist zu sein.

Zuvor war aber noch ein Zwischenhalt am Startort in Neuhaus am Rennweg notwendig, um die Startunterlagen abzuholen. Als Teil des Hygienekonzepts bestand im Startbüro (traditionell in der Mensa des Schulkomplexes in der Apelsbergstr.) Maskenpflicht und es gab nur einen Läufermarkt im Schulhof. Die Kloßparty und ähnliche Aktivitäten an allen Startorten bzw. dem Zielort fielen aus. Gleichwohl konnten wir das Lauf-Wochende mit einer frisch gegrillten Thüringer Rostbratwurst einleiten – ein seit Jahren eingeübtes Ritual.

Wegen der Pandemie-Einschränkungen gab es nur einen Stand mit Laufbekleidung. Dieser Stand hatte aber genau die Laufhosen und Langarm-Shirts für die Übergangszeit im Angebot, die ich schon lange gesucht habe. Das war mir in diesem Moment aber noch nicht bewusst. Der Inhaberin entgegnete ich, dass ich ja eigentlich nichts bräuchte. An den Rat „Man braucht immer irgendwas.“ habe ich mich gehalten, da diese im süthüringischen Dialekt vorgetragene Antwort keinen Raum für Zweifel ließ. Wie wichtig dies noch werden sollte, hat sich dann am nächsten Tag gezeigt.

Am Sonnabend fuhr der Transfer-Bus um 5:30 Uhr nach Neuhaus – früher als sonst, weil die Starts mit großen Zeitabständen in Blöcken und Startgassen stattfinden werden. Dennoch blieb mir viel mehr Zeit für die endgültige Wahl der Laufsachen. Weil immer wieder kräftige Böen über das Startgelände zogen und windiges Wetter bis in den Nachmittag angesagt war, kamen daher auch einige am Vortag neu erworbene Ausrüstungsgegenstände zum Zuge.

Der Start verlief wegen der Aufteilung des Läuferfelds in Blöcken und Gassen reichlich ungewohnt. Der Sportplatz vor dem Starttor durfte nur mit Maske und nur von den jeweils in Kürze startenden Laufenden betreten werden. Es gab keinen Schneewalzer. Die „Lichtetaler Musikanten“ und „Hans aus Neuhaus“ mussten auch das Rennsteiglied allein auf dem Sportplatz anstimmen. Es wurde nur von wenigen dünnen Stimmen am Rande begleitet. Das Smartphone-Video dieses Ereignisses – aufgenommen durch die Gitterstäbe der Platzumzäunung – spiele ich nur ab, wenn bei den Interessenten keine akute Depressionsgefahr besteht.

Erfreulich war allerdings, dass jede Startergruppe mit einem individuellen musikalischen Abschiedsgruß auf die Strecke geschickt wurden. Für meinen Startblock ging es um 8:21 Uhr los. Weil die Marathon-Wanderer dieses Mal erst nach der Läufern starteten, konnten wir deren Strecke mitnutzen und so kam ich in den Genuss, auch einmal den Rennweg bis zu seiner Einmündung in den Rennsteig laufen zu dürfen. Früher verlief dieser Teil der Laufstrecke auf der Bundesstraße. Die Herbstfärbung machten diese Streckenänderung zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Der Rennsteiglauf findet ja sonst in einer Zeit statt, die auf 800 Höhenmetern noch durch frühlingshaftes Grün geprägt ist.

Auf der übrigen Strecke ging es wegen der Pandemie ebenfalls deutlich ruhiger zu. Wegen des Blockstarts benötigten die schnelleren Läufer deutlich mehr Zeit, um endlich nach vorne sprinten zu können. Erst danach gab es dann Abschnitte, auf denen ich teilweise fast allein lief (nicht in der Spitzengruppe). Ich wusste gar nicht, dass der Thüringer Wald so still sein kann. Leierkasten- und Blasmusik, Zurufe und Beifall von den Zuschauern waren deutlich gedämpfter als früher, es gab sie aber hin und wieder. Dies verdeutlichte auch noch einmal das Besondere dieser Situation.

Unterwegs traf ich einen Mitläufer, der als der Helfer herausstellte, bei dem ich am Freitag meine Startunterlagen erhalten hatte. Und so drehte sich das Gespräch schnell über den Rennsteiglauf und seine Einbettung in den historischen und aktuellen Kontext (vulgo: Ratschen). Nicht zu kurz kamen auch Erörterungen, wie man den ab M45 wohl unvermeidlichen Zipperlein an Knie und Sehnen erfolgreich begegnen könne.

Der berühmt-berüchtigte „Hohlweg“ bei Kilometer 20 hatte sich stark verändert. Ging er früher als steile Geröllrinne in einem dunklen Waldstück bergab, liegt er nun teilweise auf freiem Feld. Ich fragte eine am Rande stehende Angehörige der Bergwacht, was der Grund für diesen Kahlschlag gewesen sei. Sie verwies auf den Borkenkäfer. Bezeichnend waren auch die gelegentlich an den Wander-Wegweisern angebrachten Zusatzschilder: „Klimawandel – überall“.

Das windige Wetter legte sich während des Laufs und es war dann bei Höchstwerten von 15 Grad angenehm sonnig und doch nicht zu warm. Die Wahl der Laufkleidung erwies sich daher als optimal. Dies, der traditionelle Haferschleim sowie der obligatorische Becher Schwarzbier am letzten Verpflegungspunkt in Frauenwald sorgten dann dafür, dass ich nach 6:33 Stunden in guter Verfassung im Ziel angekommen bin.

Damit schließe ich meinen Laufbericht über einem recht bemerkenswerten Rennsteiglauf.

Jean-Luc Gerlach