Trainingslager Kenia Teil 2

Jetzt sind wir also schon wieder vierzehn Tage zu Hause und ich gehe in Gedanken noch einmal zurück in die Höhe nach Iten. Wo fange ich also an. Über die wahnsinnige Laufbegeisterung hatte ich ja schon berichtet. Man stelle sich vor, wir rufen zum gemeinsamen morgendlichen Training und es kommen einhundertfünfzig Läufer und alle sind in der Lage einen Schnitt unter drei Minuten zu laufen (zumindest eine Weile). Das artet jedes Mal in ein gnadenloses Ausscheidungsrennen aus.

Wir tauchen immer mehr in den kenianischen Trainingsalltag ein, nur laufen, relaxen, laufen, relaxen und zwischendurch mal schwimmen im Pool oder Stabi/Kraft im Gym. Ganz klar, dass ist einer der großen Vorteile den wir in dieser Zeit genießen, volle Konzentration aufs Wesentliche. Keine Ablenkung durch Fernsehen, Konsum oder Job. In diesem Zusammenhang einmal ein ganz großes Dankeschön an die Angehörigen daheim, die uns den Rücken freihielten.

Am zweiten Trainingsfreien Sonntag haben wir eine Safari in den Lake Nacuru Nationalpark gebucht. Morgens um vier geht es mit unseren Fahrer Geoffroy und dem campeigenen Safari-Toyota-Bus in den 200 km entfernten Nationalpark. Endlich angekommen wurden wir mit einer afrikanischen Flora und Fauna, wie man es bisher aus dem Fernsehen kannte, belohnt. Wir konnten Nashörner, Büffel, Paviane, Zebras, Nilpferde und viele andere Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Ein sehr beeindruckendes Erlebnis und eine tolle Abwechslung zum Trainingsalltag. Während unseres Ausflugs überquerten wir übrigens zweimal den Äquator von Nord nach Süd und zurück. Ein kurzer Fotostopp durfte natürlich nicht fehlen.

Am Dienstag der letzten Trainingswoche gingen wir dann doch einmal auf die Tartarnbahn. 6x2000m standen auf dem Programm. Heiko in 8.40, Tom in 6:20, Jan macht Fotos und ich drücke auf die Stoppuhr und gebe kluge Sprüche ab. In der Wärme und Höhe kein leichtes Programm aber die beiden sind inzwischen super drauf und spulen das Programm souverän ab. Ebenfalls im Stadion dreht die Besitzerin unseres Camps und ehemalige Weltklasseläuferin Lornah Kiplagat ihre Runden und dann ist da noch ein älterer, weißer Trainer. Das ist doch, oder nicht, nach einigem hin und her und heimlichen Googeln sind wir sicher, das ist Renato Canova, einer der bekanntesten Langstreckentrainer der Welt.

Am Donnerstag stand dann noch der abschließende 40km Longjog auf dem Plan. Ich entscheide mich für die Fahrradbegleitung bei Tom und leihe mir ein Mountainbike aus. Zunächst geht es auf der Asphaltstraße immer bergab aus Iten heraus, bevor es über die typischen roten hügeligen Staubpisten weitergeht. Tom ist so gut drauf, dass er die Strecke ohne erkennbare Kraftanstrengung bewältigt. Ich hingegen strample nur noch hinterher und versuche halbwegs Kontakt zu halten (tolle Fahrradbegleitung).

Jetzt fehlte nur noch eins, die richtige afrikanische Läuferfrisur. Also gingen Tom und Heiko zum nächsten Hairstylist ihrer Wahl. Tom wollte kompromisslos kurz, dass verlangte der etwas überforderten Haarschneidemaschine einiges ab, aber es gelang. Heikos Wunsch nach unterschiedlichen Haarlängen bereitete dem einheimischen Figaro schon eher Probleme, sichtliche Schweißperlen der Nervosität traten Heiko und dem armen Mann auf die Stirn aber wie soll man auch einem Msungi (weißen Mann) eine afrikanische Frisur verpassen. Am Ende hatten beide eine, sagen wir mal suboptimale Frisur und wir einen Heidenspaß.



Dann sind unsere drei Trainingslagerwochen vorüber, Jan konnte leider auf Grund einer Verletzung nicht vollständig trainieren aber Heiko und Tom haben das Programm super verkraftet und fühlen sich Top-fit. Wie sich das Höhentrainingslager auf die nächsten sportlichen Vorhaben ausgewirkt hat, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Die ersten Tests verliefen jedenfalls hervorragend. Heiko konnte beim Leipzig Marathon unter ungünstigen nasskalten Bedingungen in 2h58,24 überzeugen. Tom musste leider nach dem Trainingslager noch eine Zahn-Wurzelbehandlung über sich ergehen lassen, trotzdem konnte er den Test beim RBB-Lauf im Renntempo von 3:05 min je km hervorragend bestehen. Am 05.05. gilt es dann bei den deutschen Hochschulmeisterschaften im Halbmarathon das Training umzusetzen.

Ich werde berichten.
Bernd

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