Abenteuer Kenia Teil 1

Jetzt ist bereits die Hälfte des dreiwöchigen Trainingslagers hier in Iten vorbei. Gefühlt eine Millionen Eindrücke wollen verarbeitet werden, wo fange ich also an. Vielleicht bei der Planung, ein Frühjahrstrainingslager in der Höhe sollte es sein, warum also nicht ins Home of Champions nach Iten/Kenia auf 2400 m Höhe reisen. Gesagt, getan Heiko, Jan, Tom und ich als Trainer der Run+ Gruppe starteten am 15.03. zum Abenteuer Kenia Höhentrainingslager.  Unser Flug ging über Paris zunächst nach Nairobi, wo wir eine sehr komfortable Nacht im Hilton Hotel verbrachten. Am nächsten Tag ging es etwas abenteuerlich, mit einer kleinen Propellermaschine, weiter nach Eldoret. Hier wurden wir von einem Fahrer in unser Höhentrainingslager nach Iten gebracht. Die Fahrt allein ist schon ein Erlebnis, sieht doch alles so anders aus als zu Hause. Der Verkehr ist recht abenteuerlich, unzählige Mopeds, Fußgänger und Autos befinden sich gleichzeitig auf der Fahrbahn dazu der für uns ungewohnte Linksverkehr, doch unser Fahrer führt uns mit stoischer Gelassenheit durch dieses Gewimmel. Außerdem scheint er hier jeden zweiten zu kennen denn er ist ständig am Grüßen.  Endlich sind wir in dem 1999 von Lornah Kiplagat, einer ehemaligen Weltklasseläuferin, gegründeten High Altitude Trainings Camp angekommen. Hier werden wir freundlich empfangen und in unsere Zimmer eingewiesen. Alles ist so wie wir es uns vorgestellt hatten. Die Zimmer sind einfach und zweckmäßig mit Dusche und WC eingerichtet. Es gibt weder Fernseher noch WLan, die Sportler sollen sich voll und ganz auf das Training konzentrieren. Für die Kommunikation mit Sportlern aus aller Welt und nach Hause steht ein Gemeinschaftsraum (hier gibt es Wlan) zur Verfügung. Es gibt einen recht gut eingerichteten Gym und einen 25m Pool zum relaxen. Wir werden rund um die Uhr versorgt und zum Essen gibt es natürlich das berühmte Ugali mit so etwas ähnlichem wie Spinat.

Am Ankunftstag gehen wir zunächst etwas die Gegend erkunden und schnell zerstreut sich unsere Befürchtung man könne sich nicht frei bewegen. Die Menschen begegnen uns überaus freundlich. Vor allem die Kinder begrüßen uns immer mit einem lauten How are you, how are you. Jedes Mal, wenn wir an einer Schule vorbeikommen und davon gibt es hier viele, werden wir lauthals begrüßt.

Dann folgt der erste Trainingstag, 06:15 Uhr Treffpunkt am berühmten Tor mit der Aufschrift Home of Champions. Aus allen Ecken strömen Läufer herbei und wir fragen ob wir uns anschließen könnten. Ja, ja kein Problem, was wollt ihr laufen ah 16km das ist ok. Nur mich schauen sie etwas fragend und mitleidig an und ich beeile mich zu betonen „I m only the Coach“, ah ok, man hat verstanden. Später wusste ich auch warum man mich so skeptisch betrachtete. Der afrikanische Trainer gab Anweisung, zunächst „pole pole“ was soviel wie ruhig beginnen heißt. Ruhig beginnen bedeutet hier allerdings vierer Schnitt. Jan und ich gingen gleich auf eine eigene Runde, Heiko musste nach einem Kilometer passen und Tommy verabschiedete sich nach sechs Kilometern von der Truppe als man sich bereits bei einem Schnitt von 3:15 befand und das auf einer profilierten Staubpiste. Das war dann doch etwas zu viel als Eingewöhnung an Höhe und Klima.

Inzwischen haben wir uns aber gut an das Klima, die Höhe und den Tagesrhythmus angepasst. Wir stehen kurz vor Sonnenaufgang zur ersten Trainingseinheit auf und starten zwischen 16 und 17 Uhr zur zweiten Einheit. Dazwischen ist relaxen angesagt, nur so können Umfänge von über 200 km in der Woche bewältigt werden. Für unsere Intervalle haben wir uns bewusst gegen die moderne Tartanbahn, welche wir benutzen dürften, entschieden und nutzen eine recht abenteuerlich anmutende Aschenbahn mit ca. 2m Höhenunterschied auf der Runde, die zu einer Schule gehört.

Am Sonntag ist hier Kirchentag und es geht von den Kenianern kaum jemand laufen und so passen wir uns dem Rhythmus an. Wir buchen uns im Camp eine Fahrt in ein nahe gelegenes Reservat. Wir können Giraffen und Springböcke in freier Wildbahn beobachten, eine schöne Abwechslung zum harten Trainingsalltag. Auf dem Rückweg ereilt uns noch ein nicht unübliches Abenteuer hier, wir haben eine Reifenpanne. Kein Problem beruhigt uns unser Fahrer und schon hält ein Kleinbus und wir sitzen zwischen Einheimischen und die Fahrt geht weiter.

Montags geht das Training weiter und vor allem Heiko und Tom haben sich gut angepasst. Tom findet immer wieder Kenianer, an die er sich anschließen kann. Es werden täglich zwischen 30 und 40 km absolviert. Ein Physio steht ständig zur Verfügung, auch ich lasse mich von ihm durchkneten. Als ich so auf der Liege liegend nach rechts schaue, sehe ich ein eingerahmtes T-Shirt mit Unterschriften. Wow, was für Namen Mo Farah, Paula Radclif, David Rudisha und viele mehr und jetzt liege ich läuferisches Altersklassenwürstchen auf der selben Liege und   werde mit der gleichen Hingabe malträtiert. Das hat schon was.

Nun sitze ich hier als Trainer und denke über gewonnene Trainingserkenntnisse nach. Eigentlich wird hier auch nicht soviel anders trainiert nur unheimlich hart, ebenso wird aber auch ausgiebig relaxt. Dem Körper wird die Möglichkeit gegeben die harten Trainingsreize zu verarbeiten. Grundsätzlich scheint man die moderne Tartanbahn eher zu meiden, die Intervalle werden eher auf der Aschenbahn oder der Piste absolviert. Worin ist nun die afrikanische Überlegenheit begründet? Viel wird darüber spekuliert, sicher ist die Motivation aus ärmlichen Verhältnissen zu kommen mit entscheidend. Für mich ist die sichtbar große Freude der Kinder an Bewegung, ein weiterer entscheidender Faktor.

Ich werde weiter beobachten, analysieren und Erkenntnisse in meine Trainingsarbeit einfließen lassen.

Am Ende unseres dreiwöchigen Aufenthaltes werde ich wieder berichten.

Bis dahin grüße ich alle PLCl´er im Namen meiner Sportler aus der Höhe, der Wärme und generell aus einem unheimlich freundlichen Land Kenia

Bernd

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