Eine kleine Laufgeschichte

…vom täglichen Kampf mit dem inneren Schweinehund bei der Vorbereitung auf einen Wettkampf.

Ich habe mich entschieden im Frühjahr einen Marathon zu laufen.
Kann man(n) ja machen – muss man(n) aber nicht…
Für mich war es eine es bewusste Entscheidung.
Der Papierkram ist erledigt.
Der Trainingsplan ist fertig.
Ich bin angemeldet.
Motiviert bin ich auch…
… nun muss nur noch trainiert werden….
Ich wusste da war irgendwo ein Haken an der Sache…

dav

Aber nun erstmal der Reihe nach…
Seit einer Woche schaue ich jeden Abend aufs Neue in den Trainingsplan, um zu sehen, was ich am nächsten Tag laufen werde.
Und so kam es, dass ich darin las, dass für heute ein längerer Dauerlauf von 80 Minuten auf dem Programm stand. Und da ich heute etwas später anfing zu arbeiten, entschied ich mich für eine schöne Runde am Wasser. Ein kurzer Blick nach draußen verhieß allerdings wenig Erwärmendes. Kurzum, es sah kalt draußen aus. In den letzten Tagen war es nachmittags fast schon frühlingshaft warm.
Aber am Nachmittag kann ich heute nicht laufen – und gerade ist es kalt, windig, einfach unangenehm. Ich überlege ernsthaft mein Training zu verschieben.
Verschieben geht doch auch, oder?

Gestern hatte ich schon verschoben… Gründe gibt’s ja immer…
So richtig wohl fühle ich mich mit dem Verschieben aber nicht und ich beschließe kurzerhand, dass es heute sein muss. Also ziehe ich mir die Laufsachen an – eine extra dicke Jacke gegen die Morgenkälte muss natürlich sein – schnell die Schuhe zugebunden und auf geht’s. Einfach nur los.

Ich bewege mich zunächst durch ein Wohngebiet, immer geradeaus. Die Strecke ist mir bekannt, hier kenne ich fast jeden Stein, jede Unebenheit, fast jeden Hundehaufen.
Der Puls stimmt, die Handschuhe und die Mütze, welche ich bei Verlassen der Wohnung noch schnell gegriffen habe, machen mich zum perfekt ausgestatteten Frosti.
Schritt für Schritt lasse ich die bewohnten Häuser hinter mir. Einige Autos rauschen an mir vorbei und nach einigen Kurven gelange ich an die „Brücke des Friedens“, welche Potsdam von Fahrland trennt. Mein Ziel ist der neu gemachte Radweg entlang des Jungfernsees.

Mittlerweile habe ich drei Kilometer hinter mich gebracht und ich stelle positiv fest: es läuft. Viel besser, wie ich noch vor 20 min erwartet habe.
Die Sonne kämpft sich vor mir durch den noch wolkenverhangenen Himmel und die ersten zarten Sonnenstrahlen scheinen mir entgegen. Meine Stimmung hebt sich deutlich – mein Tempo auch. Ich komme aus der Puste und muss meine Geschwindigkeit verlangsamen.
So fliegen die Meter dahin. Das Wasser auf der linken Seite, neue Potsdamer Prachtbauten auf der Rechten.

Weiter geht’s vorbei an der Meierei in den Neuen Garten und dann Richtung Glienicker Brücke.
Eine andere Läuferin, ganz in lila gekleidet mit lustigen rosafarbenen Stulpen kommt mir entgegen. Wir grüßen uns kurz beim Vorbeilaufen. Kurz darauf sehe ich eine Walkinggruppe und einen Mann mit einem Hund. Kopfhörer im Ohr, Finger am Handy – Der Mann natürlich, nicht der Hund,

Das Leben ist schön denke ich so bei mir…
Am Horizont taucht meine persönliche Lieblingsbrücke auf. Dort angekommen knipse ich noch schnell ein Erinnerungsfoto wie die Wolkenstrahlen durch das eiserne Fachwerk hindurchbrechen.

Fünf Minuten später erreiche ich den Wendepunkt meiner heutigen Runde und es geht zurück. Vorbei am stetig wachsenden Bau der Kaiserlichen Matrosenstation Kongsnæs. Das Wasser der Havel liegt jetzt rechts von mir. Die Meierei, welche mittlerweile durch die Sonne sehr schön angestrahlt wird und die kleine mit Muscheln verzierte Grotte am Jungfernsee daneben, welche einst vom preußischen König Friedrich Wilhelm II. als versteckter Rückzugsort für Teestunden und zum Speisen erbaut wurde, liegt nun vor mir.

In meine Nase dringt der Geruch von frisch geschreddertem Holz. Baumfällarbeiten, wie sie derzeit wohl überall durchgeführt werden, sehe ich unweit des Schlosses Cecilienhofs.

Meine Laufuhr piepst und verkündet, dass ich nun bereits eine Stunde unterwegs bin. Fast schon ein wenig traurig nehme ich das zur Kenntnis. Bin ich doch gerade dabei mich an der tollen Potsdamer Landschaft satt zu sehen, abzuschalten, zu entspannen und alles um mich herum zu genießen.

Ein kurzer Blick verrät mir auch, dass der Puls okay ist und so laufe ich entspannt langsam weiter in Richtung Ziel.
Nach ein paar Kurven hat mich die Zivilisation quasi wieder. Einfamilienhäuser, an mir vorbeidonnernde Autos, Lärm… alles ist wieder da…
Zu Hause angekommen bin ich geschafft, zugleich aber auch glücklich und zufrieden, dass ich mich überwunden habe heute zu laufen.

Und Morgen?
Morgen beginnt der Kampf mit dem Schweinehund aufs Neue – wetten?

Ich bin gespannt wer gewinnt. J
Liebe Laufgrüße vom Mario

Weiterführende Links:
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Laufberichte, Infos, Videos und Bilder an laufberichte@potsdamer-laufclub.de

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