Laufbericht vom 46. Rennsteiglauf am 26. Mai 2018

Der Rennsteig hat die Seinen diesmal zu einem besonders späten Zeitpunkt gerufen. Nach einer Regen- und Unwetterphase in den letzten zwei Wochen waren auch im Thüringer Wald fast frühsommerliche Verhältnisse zu erwarten. Die Wahl der Laufkleidung fiel daher von vorherein auf kurz und leicht. Ich habe zudem auf meinen Trinkgürtel verzichtet und wollte eigentlich auch keine Mütze mitnehmen. Bianca hatte mir – im Rahmen der freitäglichen Strategiebesprechung im „Grünen Baum“ zu Schmiedefeld – jedoch eindringlich geraten, sowohl eine Mütze mitzunehmen und zudem von der Sonnencreme (seit Jahren eine bewährte Zugabe des Startbeutels) reichlich Gebrauch zu machen. So kam schließlich meine Laufmütze vom Mallorca-Marathon 2017 wieder zu Ehren. Ihre Vorgängerin wies nach fast 15 Jahren treuen Diensten unerklärliche Spuren tiefgreifenden Materialverschleißes auf, so dass mir nur die feierliche Entsorgung übrigblieb.

Auch meine Überlegung, mich vor dem Lauf noch einmal zu rasieren, konnte nicht überzeugen. Bärbel wandte nämlich ein, ob ich schon mal rasierte Athleten bei Wettkämpfen gesehen hätte. Vor einem Langstreckenlauf würde man so etwas schließlich nicht tun. Obwohl jedes Gramm Gewicht zählt, bin auch diesem Ratschlag gefolgt.

Am Lauftag selbst war ich um 6:15 Uhr an der Bushaltestelle in der Brunnenstraße. Beim Blick auf die Schuhe eines Mitstreiters fiel mir auf, dass dieser etwas hatte, was mir fehlte – der Start-Chip! Da mein Chip noch im Hotel verweilte, bot sich mir die Gelegenheit für ein frühzeitiges Warmlaufen.

Der Transfer nach Neuhaus am Rennweg verlief pünktlich und in der immer wieder erstaunlichen Präzision – an dieser Stelle bereits der Dank an die Organisatoren und Helfer für ihr vorzügliches Wirken. Am Start im Sportplatz an der Apelsberger Str. blieb mir genug Zeit, den Lichtetaler Musikanten und Hans aus Neuhaus zuzuhören und vom Massageöl und der Sonnencreme Gebrauch zu machen.

Den Startschuss um 9:00 Uhr gab der Ministerpräsident des Landes Thüringen, Bodo Ramelow ab. Das Starterfeld war im Gegensatz zum Vorjahr deutlich vergrößert, da zeitgleich mit uns auch die Marathon-Wanderung startete. Ein zeitversetzter Start war aus technischen Gründen nicht realisierbar.

Für den Lauf selbst hatte ich mir keine großen Hoffnungen auf bessere Zeiten gesetzt. Meine Vorbereitung wich noch deutlicher als im Vorjahr von den üblichen Trainingsplänen ab. Es wies sich daher als Glücksfall, dass ich die ersten 15 Kilometer mit einem Läufer teilen konnte, der seinerzeit noch mit Waldemar Cierpinski trainiert hatte, aber wegen Knieproblemen dieses Jahr nur wandern konnte. Von meinem Trainingskonzept hatte ich ihm aber nicht erzählt …

Wegen unseres achtsamen Tempos kamen wir unweigerlich in einen Pulk, der gemeinsam von Läufern und Wanderern (mit und ohne Laufstöcken) gebildet wurde. Zu der von den Letztgenannten verursachten Geräuschkulisse äußerte sich der aus der sächsischen Schweiz stammende Rennsteiglauf-Veteran beherzt und unmissverständlich vor („Die mit ihren sch… Kniddeln…“). Obwohl die Berichterstattung auch im nichtprofessionellen Bereich dem Ethos der journalistischen Wahrheit und Vollständigkeit verpflichtet ist, ließen die Anmerkungen meines Korrekturprogramms leider keine Voll-Zitierung dieser Grundsatzäußerung und der ihnen beigestellten Erörterungen zu.

Nach dieser Einlaufphase mit diesem interessanten Mitstreiter habe ich den Lauf zunächst allein fortgesetzt, um das Tempo etwas zu erhöhen. Der späte Start des Laufs in der zweiten Maihälfte ließ die Temperaturen jedoch vor allem ab Mittag deutlich ansteigen. Lediglich ein leichter Wind sorgte zeitweilig für etwas Abkühlung. Dank des wärmeren Wetters erfreuten die Schwalbenhauptwiese und die Hochebene um Kahlert die Läuferaugen mit einem bunten Strauß an blühenden Wildblumen, die seit jeher Bestandteil des berühmten Thüringer Kräutertees sind. In der Vergangenheit zeichneten sich die Freiflächen an der Laufstrecke häufiger durch Nässe und kühle Seitenwinde aus. Leider erlaubten Zeit und Umstände kein längeres Verweilen.

Dank des hervorragenden Getränke- und Verpflegungsangebotes mit Haferschleim, Tee und belegten Broten bin ich in der zweiten Laufhälfte gut vorangekommen. Zeitweise erschien sogar eine Zeit unter 6:00 greifbar nahe. Die Wärme und der Trainingsrückstand forderten aber letztlich ihren Tribut. Daran konnte auch das Schwarzbier (seit letztem Jahr übrigens wahlweise auch Kellerbier) beim Hirsch in Frauenwald nicht mehr viel ändern. Ich habe es jedoch trotzdem genossen, weil das Durchlaufen für mich eigentlich das wichtigste Ziel war.

Ein Leierkastenmann stimmte zuvor kurz vor dem Dreiherrnstein das Rennsteiglied an. Es ist unglaublich, welche Leistungsreserven ein solcher emotionaler Trigger selbst bei Kilometer 30 noch heben kann. In Schmiedefeld haben dann noch die Anfeuerungsrufe unserer PLC-Truppe bei der Fleischerei und das Anstimmen eines Keimzeitliedes dafür gesorgt, dass ich den Lauf mit 6:24 erfolgreich beenden konnte.

Mit Ausnahme des unvermeidbaren Muskelkaters in den Oberschenkeln blieb ich beim Lauf von weiteren Beschwerden wie Wadenkrämpfen und ähnlichem verschont. Auf der Gepäckwiese zeigte sich jedoch, dass meine Zeit das an diesem Tag das maximal erzielbare Ergebnis darstellte. Bevor ich mich auf den Weg in den „Grünen Baum“ gemacht habe, musste ich eine Weile innehalten. Beim Foto, dass nach dieser Pause entstanden war, ging es mir aber schon wieder besser.

Ich schließe an dieser Stelle meinen Laufbericht, da ich noch heute für den nächsten Rennsteiglauf 18. Mai 2019 anmelden werde.

Jean-Luc Gerlach

Weiterführende Links:
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