The wind cries Wolfgang
36. Frankfurt Marathon

Die mich näher kennen, wissen, dass ich fast immer nach meinen Läufen ein Haar in der Suppe finde. Das war in Frankfurt nicht der Fall. Alles wie erhofft und noch mehr. Mein Ziel war es, das erste Mal unter 3:15 zu laufen und bei der Deutschen Marathon Meisterschaft unter die ersten Fünf der AK zu kommen.

Vor dem Start die üblichen Vorbereitungen und kleine Aufreger. Ich habe meinen Riegel vergessen, den ich eine halbe Stunde vorm Start essen wollte. Soll ich überhaupt noch starten? Zum Glück regnet es nicht, und bei 14.500 angekündigten Startern stehe ich im zweiten Startblock windgeschützt.

Nach dem Startschuss dauert es selbst im zweiten Startblock, bis wir die Startlinie erreichen. Auf den ersten Kilometern ist es in den engen Straßen und ständiger Richtungsänderungen nicht leicht einen Rhythmus zu finden. Wegen einer großen und tiefen Pfütze stoppte einmal der ganze Block. So ‚was ist gut für das Nervenkostüm. Dann lief der Marathon wie üblicherweise ab. Das heißt, ab Kilometer 35 fing der K(r)ampf erst richtig an, wie Chris es in seinem Laufbericht so schön beschrieben hat. Die Stimmung zwischen nur noch 7, 6, 5… Kilometer – die Beine rufen: bitte nur ein paar Meter laufen, bis weiter, weiter, weiter!! Kein Windschutz mehr auf den letzen Kilometern. Die Böen zerren am Trikot. Nur noch Einzelkämpfer. Die lange Gerade, bevor es nach links in die Festhalle geht, hatte ich mir toll ausgemalt; nur blies der Wind jetzt frontal, und der alte Mann stocherte Meter für Meter zum Ziel. Ende – aus – fertig – Schluss!

Nach dem Ziel sehe ich aus dem Augenwinkel eine freie Massagebank. Ich schlurfe schnell hin, lege mich rauf, schließe meine Augen und warte auf die massierenden Hände. Alles gut?, fragt mich eine Stimme. Ich öffne meine Augen. Warum hat der nette Herr ein rotes Kreuz auf seiner Brust? Sie massieren mich wohl nicht? Er lacht: nein. Also wieder aufstehen und raus aus der Halle.
Ich bin so fertig, dass mir nichts von den Getränken oder Essen schmeckt. Ich weiß noch nicht, wie meine Zeit und Platzierung ist. Meine Laufuhr zeigt gerne Fantasiestrecken an. Laut dieser bin ich 44,50 Kilometer gelaufen. Bei den Duschen werden die Ergebnisse gecheckt. Ich frage nach meinem; 3:13:40 und Platz 2 in der AK. Um mehr als 4 Minuten habe ich meine alte Bestmarke verbessert und bin Deutscher Vizemeister. Ich bin überwältigt, und als ich meine Frau anrufe, habe ich vor Glück und Schwäche einen Kloß im Hals.
Die zwei Stunden bis zur Siegerehrung waren noch einmal eine konditionelle Prüfung.

Auf dem Weg zum Hotel nutze ich jeder Rolltreppe, die ich sonst wie der Teufel das Weihwasser meide. In der U-Bahn merke ich, dass ich mir keinen Fahrschein gelöst habe. Egal, nur ins Hotel und schlafen.
Nach anderthalb Stunden wache ich auf und fühle mich besser. Ich starte mein Smartphone – Wow, eMails, Nachrichten und verpasste Anrufe en masse.
Du warst im Fernsehen schreit es mir entgegen. Irgendeine Persönlichkeit war in meiner Nähe. Ich habe von alledem nichts mitbekommen. Ich war so fokussiert auf meinen Lauf.
Damit komme ich auf die Frage die ich bekommen habe: wie hast du das hinbekommen. Die Antwort: hartes Training, alles dem Ziel unterstellen, keine Bussies mehr beim Begrüßen, eine Frau die das mitmacht und eine 5:30er Trainingsgruppe, die sich am Wochenende trifft.
Ganz besonders möchte ich mich bei Rudi und Uwe bedanken. Die haben mich über Wochen begleitet, meine Sprüche ertragen und mich motiviert, als es die letzten Wochen nicht rund lief. Der Halbmarathon, der in die Hose ging, die nächsten beiden Wochenenden liefen auch nicht wie geplant, und es schlichen sich Zweifel ein. Die Jungs waren immer da, um mich wieder aufzubauen. Die letzten zwei Wochen habe ich das Training etwas modifiziert; es hat geklappt.

Und nun? Ausruhen, falsches Essen essen, Milchreis (natürlich mit Haferdrink) mit viel Zucker und Zimt, Pizza groß wie ein Wagenrad. Da fällt mir noch viel mehr ein.

The wind cries Wolfgang ist natürlich nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern vom großartigen Jimi Hendrix, the wind cries Mary, entlehnt.

Nun wird das nächste Ziel ins Auge gefasst.
Alles nach dem Motto des Potsdamer Laufclubs
Laufen aus Freude

H.Wolfgang

Weiterführende Links:
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Trainingsgruppen des PLCs
Laufen für Jedermann: Lauftreffs am Wochenende (offen auch für Nichtmitglieder)
Laufberichte, Infos und Bilder an laufberichte@potsdamer-laufclub.de

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