Laufbericht vom Palma-Marathon-Mallorca am 15. Oktober 2017

Mallorca war seit jeher eine wohlhabende Insel. Viele antike Völker wie Phönizier, Karthager und Römer siedelten hier und haben die Insel jeweils um Ertrag bringende Einkommensquel-len bereichert. Dazu zählt bis heute vor allem der Anbau von Mandeln und Oliven.
Zuletzt hat im 13. Jahrhundert der damalige König von Aragon (Jakob I.) die Inselkette der Balearen von den Mauren erobert und sie mit katalanischen Siedlern neu besiedelt. Ein Ver-such maurischer Piraten, den Hafen von Sóller im 16. Jahrhundert (wieder zurück) zu er-obern, scheiterte an dem mit Knüppeln und sicher auch mit Kraftausdrücken bekundeten Unwillen zweier Fischersfrauen, was jedes Jahr im Mai mit einer einwöchigen(!) Fiesta gefei-ert wird.
Ich bin fest davon überzeugt, dass dies keine Legende ist, denn noch heute kann man ein gewisses Blitzen in den Augen einer jeden Mallorquinerin wahrnehmen, wenn man als Tourist deren Geduld zu überspannen droht.

Den inzwischen zu Mallorquinern geworden Katalanen fiel im Ergebnis somit die größte Ein-kommensquelle zu – der Tourismus. Zur weiteren Mehrung dieser Erträge bin ich nunmehr auch auf die Insel geflogen, um eine Bergwanderung in der Tramuntana zu unternehmen und dann den Marathon zu laufen.
Beim Anflug auf Mallorca konnte ich von meinen Vorstellungen über eine überwiegend flache Insel für Strandurlaube gleich einmal Abschied nehmen. Mallorca weist auch außerhalb der Tramuntana durchaus bergige Abschnitte auf. Vor allem ist auch die Altstadt von Palma auf einer Hügelkette gebaut. Man hat den Eindruck, dass die Mallorquiner ihren Reichtum seit Generationen in Steinen investiert haben und diese sich noch zu vermehren scheinen.
Die viertägige Bergwanderung zwischen Deià und dem Kloster Lluc hatte daher durchaus alpinen Charakter und ich kann nur jedem raten, die einschlägigen Hinweise der gängigen Reiseführer für bare Münze zu nehmen und für diese Tour hohe Wanderschuhe mit möglichst grobem Profil zu tragen.
Nach dieser Akklimatisierung ging es dann am Sonntag zum Lauf. Die Organisation der drei Hauptläufe (Marathon, Halbmarathon und 10 Km) kann man ohne Übertreibung als vorbild-lich bezeichnen. Alles von der Onlineanmeldung, der Abholung der Startunterlagen bis zur Gepäckaufbewahrung klappte. Dafür sorgten viele Helfer und auch die Lokalpolizei, die im Wesentlichen die Streckensicherung übernahm. Die von allen Teilnehmern je nach Distanz ganz oder teilweise zu laufende Strecke wies nahezu alle fünf Kilometer Verpflegungspunkte auf, bei denen man Wasser, isotonische Getränke, Gel sowie Bananen erhalten konnte.

Zudem war es in den ersten drei Stunden bewölkt und ein wenig windig, so dass erst für die Mittagszeit die vorhergesagten 27 Grad zu erwarten waren.
Der Lauf umfasste zwei Runden, die jeweils 10 km am Hafen verliefen (mit Wendepunkt auf einem Hügel bei der Marineschule) und dann durch die Altstadt gingen. Auf den flachen Ab-schnitten war man zumeist der Sonne ausgesetzt und im Schatten der Altstadt waren dann Kurven und Anstiege zu bewältigen. Dass ich die zweite Runde überhaupt zu Ende gelaufen bin, habe ich daher den Anfeuerungsrufen der Zuschauer (von schattigen Straßenlokalen aus…) und dem Hinweis eines Mitläufers zu verdanken, dass im Ziel Freibier ausgeschenkt würde.
Auf den letzten Kilometern kam mir der Film „Fräulein Smillars Gespür für Schnee“ in den Sinn und ich hing dem Gedanken nach, mit wie vielen unterschiedlichen Begriffen die deut-sche Sprache die Farbe von Gerstensaft treffend beschreiben könnte. Auf die analog 24 Wörter für Schnee in den Inuit-Sprachen bin ich allerdings nicht gekommen.
Eine Polizistin half mir in der Altstadt zwei Mal mit einer kurzen, aber eindeutigen Kopfbewe-gung auf der Laufstrecke zu bleiben, dem ich – im Gedenken an die Frauen von Sóller – stets pflichtschuldigst nachkam.
Die Laufzeit war auf sechs Stunden (9:00 Uhr – 15:00 Uhr) limitiert. Obwohl ich mit einer Zeitnahme zeitweise nicht mehr rechnete, blieb ich mit einer Nettozeit von 5:43 unter dem Zeitlimit. Ergebnis war eine schön gestaltete Finisher-Medaille und das – dann reale – Far-benspektrum von alkoholfreiem Weißbier in der Nachmittagssonne von Palma. Letzteres entfaltete sich aber nur während einer begrenzten Dauer (trotz reichlicher innerlicher und äußerlicher Wassereinnahme auf der Strecke zuvor).

Jean-Luc Gerlach

Weiterführende Links:
Ergebnisse
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Laufen für Jedermann: Lauftreffs am Wochenende (offen auch für Nichtmitglieder)
Laufberichte, Infos und Bilder an laufberichte@potsdamer-laufclub.de

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