Eine Medaille wie ein kleines Amulett ODER Ceci n’est pas un Laufbericht

Mit diesen Laufmedaillen ist es doch so, dass die über die Jahre eine stattliche Zahl angenommen haben. Empfing man die erste noch mit breiter Brust, schliff sich das mit jeder weiteren doch mehr und mehr ab.- Und nun liegen sie in der Ecke oder füllen Schuhkartons.

Vor allem solche der Sorte Bierbüchsenblech, die einfach nur Glück hatten, nicht Kronkorken oder Fischbüchse geworden zu sein,
oder Verlegenheitsembleme wie das der orangenen Sportmode-Kette, die jeweils nur die neue Jahreszahl einprägen lässt. Die sollten doch eigentlich längst über den Jordan. Aber -komisch- irgendwie bringt man die Entsorgung dann doch nicht über’s Herz. Ja, ja, die zeige ich später -umringt von der Sippe und innerfamiliäre Pflege genießend- mal den (Ur)Enkeln. Nur wie wahrscheinlich ist es, dass die interessiert, warum sich (Ur)Opa mal solchen Klimbim umhängen ließ?

Aber es gibt eben auch die kreative Handmade, wie sie Silke z. B. in ihrem Laufbericht vom 18.04.2017 hier auf der Website über den Berliner Vollmond-Marathon abgebildet hat, oder die liebevolle Keksmedaille von PLClerinnen für die Bambinis bei unserem Frauenlauf. Hier steckt die genüssliche Entsorgung schon in der Belohnungsidee.

Wenn man Glück hat, kommt einem immer mal wieder eine Originelle in die Läufervita: So finden viele die gefühlt halbkiloschwere Eisengurke des Marathons meiner Heimatregion gut, ich leider nicht. Oder das Edelmetallimitat der Sparkassen-Panorama-Tour Sächsische Schweiz in Form eines Sandstein-Massivs. Auch das Finisher-Abzeichen, mit dem man am Ende eines BIG-25-Runs dekoriert wird, ist nicht ohne. Siegessäule, Brandenburger Tor und Olympiastadion machen was her. Sogar der rbb-Lauf, dessen Rahmenprogramm mit jedem neuen Jahr irgendwie immer dürftiger wird, gibt sich zumindest Mühe mit seinem Medaillenmotiv. Dieses Jahr ist es immerhin das Palais Barberini.

Für eine ganz besondere Plakette aber muss man in den Burgenlandkreis fahren, nach Nebra an die Unstrut. Der Hallenser Verein „run e.V“ unter Mitwirkung der Cierpinskis („Nennt eure neugeborenen Söhne heute Waldemar!“) organisiert hier seit sechs Jahren ein tolles Lauf-Ereignis, das bald Kult-Charakter erlangen könnte.
Am letzten Sonnabend war’s wieder soweit. Und nun folgt nicht etwa der Laufbericht, sondern ein Loblied auf eine kleine feine Medaille, wie sie schöner und raunender kaum sein kann.

Ca. 4 cm im Durchmesser, geschätzt 40g leicht, hängt sie an einer schwarzen Kordelschnur und fühlt sich fast an wie eine Münze. Dezent und doch auch nicht.
Sonne, Mondsichel und viele Sterne erfüllen ein blassblaues goldumrandetes Firmament. Wenn gleich noch vor Ort die Sommersonne auf die Ornamente scheint, funkeln die Gestirne und wetteifern um die Hauptrolle. Man möchte so gern wahrhaben, dass von dieser Scheibe eine magische Kraft ausgeht.

Ist die Sonne nun die Siegerin? Dann triumphieren Vitalität und Power?! Okay, nehme ich.
Oder ist Bruder Mond der Platzhirsch? Spiegelt er die Seele, ihr Auf und Ab? Das könnte ich nicht leugnen.
Aber zur eigenen Sicherheit entscheide ich mich doch lieber für die, von denen gleich ein paar da sind: Die Sterne sind nicht leicht zu (be)greifen. Im Blick ist selten nur einer allein, es sei denn, man legt es bemüht darauf an.
Sie glitzern am Nachthimmel, gerade jetzt in lauen Mitsommernächten. Man muss gar nichts sagen, sondern einfach nur schauen, und plötzlich ist der Moment da, der einen empfinden lässt, wie schön doch dieses Leben ist. Muss man das begreifen? Muss man nicht. Es reicht, wenn man es auch nur einen Moment lang weiß. – Auf diese Medaille schaut man anders und tatsächlich ragt die Kleine inmitten der anderen hervor.

Wenn Trailbarden an den Rennsteig pilgern, wenn es die Ultras zum Mauerwegslauf zieht und die Bergläufer zum Swissalpine, so hat es mich nach Arche Nebra gezogen, dieser Medaille wegen. Nun ist sie erlaufen.

Zum Top-Ereignis wurde der Tag allerdings, weil unerwartet auch Anne und Nadja aus meiner Laufgruppe an der Startlinie standen. Nun können wir ein tolles Lauferlebnis teilen. Während ich derzeit ein paar Tage vor Ort bin, sind die beiden am Samstag sehr frühmorgens von Potsdam nach Nebra aufgebrochen. Megagroßen Respekt, Mädels, das bleibt!

Ach so, was noch zu sagen wäre: Dreimal Jahresbestleistungen für uns auf diesem nicht eben anspruchsarmen Trail, aber:
Ceci n’est pas un Laufbericht.
Wer mag, der googele.

Kay

Weiterführende Links:
Ergebnisse
Trainingsgruppen des PLCs
Laufen für Jedermann: Lauftreffs am Wochenende (offen auch für Nichtmitglieder)
Laufberichte, Infos und Bilder an laufberichte@potsdamer-laufclub.de

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