VOM TRÄGEN LAUF AN DER KUHLAKE ZUM FEURIGEN LAUF AM DRACHENBERG
Mein Weg zur neuen Bestzeit über die 800 Meter-Distanz

Am 23.01.2016 war sie endlich beendet: Meine ach so nicht geliebte Hallensaison. Mit einer gelungenen Premiere über die 150 m (18,56 sec.) und einer 300 m-Bestzeit (38,89 sec.) verlief sie eigentlich gar nicht so schlecht. Auch den achten Platz bei der Berlin-Brandenburgischen Meisterschaft in der heimischen Leichtathletikhalle über 400 m, bei der ich eine Bestzeit nur um sechs Hundertstel verfehlte (53,75 sec.), möchte ich natürlich auch nicht klein reden. Aber: In der Halle laufe ich nicht gerne. Die engen und gebeugten Kurven sind überhaupt nichts für mich und deshalb habe ich in jüngster Zeit nie über einen Mittelstreckenlauf in der Halle nachgedacht. Draußen hingegen mache ich gerne viele Wettkämpfe und laufe dort auch meine Lieblingsdistanz, also 800 Meter. Und genau das habe ich Olaf in den Wintermonaten ins Ohr gepustet. Die Idee lautete, mit Hilfe von vielen Wettkämpfen eine neue Bestzeit heraufzubeschwören. Und so starteten wir in die Vorbereitung auf die Sommersaison.
Im Winter versuchte ich mich dann in Luckenwalde über eine Distanz von knapp neun Kilometern. Erst dachte ich, eine für mich sehr lange Distanz nicht durchstehen zu können. Am Ende war eine Zeit von 36 Minuten dann gar nicht schlecht.
Ein paar Wochen später stand der Osterlauf in Deetz an. Die knapp fünf Kilometer wollte ich unter 20 Minuten schaffen. Am Ende verpasste ich nur denkbar knapp eine 17 Minuten-Zeit. Zufriedenheit bei Olaf und auch bei Bernd, der mittlerweile ebenfalls an der Seitenlinie agiert. Schöne Ergebnisse. Doch was war noch mal das Ziel? Ach ja, eine Bestzeit über 800 m.
Ein erster Härtetest stand bei unserer Bahneröffnung an. Dort hieß es, 1.000 m „aus vollem Training heraus“ zu laufen. 2:52,82 min. hieß es am Ende, knapp acht Sekunden langsamer also als im Vorjahr. Enttäuschend. Kein Mut, kein Selbstvertrauen, keine Kraft. Die Frage von Katje oder Marco bei der Siegerehrung etwa, ob ich mit der Zeit und Platz 3 zufrieden war, konnte ich nicht grad mit einem ehrlichen „Ja, natürlich“ beantworten.

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Die letzten Schritte beim ersten Freiluft-Bahnwettkampf 2016 für Paul

Zwölf Tage später ging es dann in den Gefrierschrank von Berlin-Marzahn. Bei Temperaturen um 10 °C lief ich dort 150 m und 600 m. Trotz der spätwinterlichen Temperaturen gelangen mir aber gute Zeiten (18,60 sec. und 1:29,46 min.).
Es folgte eine Phase mit zwölf Tagen ohne Wettkampf. Solche eine „Pause“ sollte sich in den darauffolgenden Wochen nicht wiederholen.
Der 7. Mai war für mich ein besonderer Tag: Es stand der erste 800 m-Lauf im Jahr 2016 an. Außerdem, das wusste ich damals noch nicht, läutete dieser Tag eine Wettkampfserie ein: Von diesem Tag an bis zum Tag X, dem 800 m-Lauf bei der Norddeutschen Meisterschaft am 9. Juli, startete ich wöchentlich mindestens einmal bei einem Tartanbahnwettkampf.
An diesem Tag war ich im Stadion Hakenfelde. Dieses liegt in einem Forstgebiet in Berlin-Spandau. Dort gibt es einige kleiner Flüsschen, einer davon ist die Kuhlake. Vor und nach dem 800 m-Lauf startete ich über 100 Meter. 12,64 sec. und 12,88 sec. hießen dort die Zeiten, wovon erstere eine Bestzeit darstellte. Doch dazwischen war ja der 800 m-Lauf. Und der verlief genau wie der 1.000 m-Lauf bei der Bahneröffnung. Schlecht. Ein Tempogefühl für die Spezialstrecke war plötzlich nicht mehr da. 2:07,33 min. war die Zeit eines trägen Laufes. Zu deutlich war die Zeit über den üblichen, das heißt wenige Sekunden über der Zwei-Minuten-Marke. Enttäuschend blickte ich gen Forst, gen Kuhlake und später auch gen Rathaus Spandau, als ich auf den Bus wartend mit Bernd telefonierte.
Bernd war es auch, der mich acht Tage später zum Pfingstsportfest ins Stadion Lichterfelde in Berlin begleitete. Bei sehr windigen Verhältnissen war es dort ein sehr schwieriger 800 m-Lauf. Meine Zeit aus der Vorwoche konnte ich dennoch um knapp eine Sekunde auf 2:06,55 min. steigern und wurde damit Sechster bei den Männern. Leider war es keine Zeit von 2:04 Minuten, wie Bernd mit seiner Uhr gestoppt hatte.
Eine Woche später ging es nach Berlin-Hohenschönhausen, um gemeinsam mit Denny und Robert die 3×1.000 m-Staffel bei der Berlin-Brandenburgischen Meisterschaft zu laufen. Wir gaben alles und wurden Vierter in einer Zeit von 9:38,33 Minuten. Und mit meinem 1.000 m-Lauf als Schlussläufer in der Staffel konnte ich durchaus zufrieden sein.
Am 28. Mai stand ein nächster Härtetest an: 800 Meter bei der Berlin-Brandenburgischen Meisterschaft, auch Landesmeisterschaft genannt. Diese fand in diesem Jahr im Sportpark Luftschiffhafen statt. Smutje gab den Startschuss zum heimischen 800 m-Lauf. Ich fühlte nach dem Lauf, dass dieser auf jeden Fall eine Saisonbestzeit darstellen musste. Doch wie war die Zeit? Bernd hatte eine Zeit von 2:02 Minuten gestoppt. Es war schließlich eine Zeit von 2:04,27 Minuten. Abermals lief also die Uhr von Bernd leider zwei Sekunden hinterher. Letztlich blieb ich aber nur 2,09 Sekunden hinter der Bestzeit und Olaf kommentierte die Zeit und den neunten Platz mit den treffenden Worten: „Wird ja langsam“.
Am darauffolgenden Wochenende ging es zur offenen Kreismeisterschaft des Landkreises Dahme-Spreewald nach Königs Wusterhausen. Nach einer anstrengenden Schulwoche mit wenig Schlaf und Training reichte es beim 800 m-Lauf immerhin zu einer Zeit von 2:05,70 min., mit welcher ich Vizekreismeister wurde und mir eine erste Medaille im Jahr 2016 sicherte.

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Ein stolzer Vizekreismeister aus Potsdam

Mit dem freudigen Gedanken der Silbermedaille und viel Selbstvertrauen, startete ich gemeinsam mit Tom, Dominik und Ramin bei der Berlin-Brandenburgischen Meisterschaft über die 4×400 m-Staffel in Berlin-Hohenschönhausen. Als zweiter Läufer in unserer Staffel lief ich eine schnelle Stadionrunde und gemeinsam erkämpften wir uns in einer Zeit von 3:39,90 Minuten den Vizemeistertitel.

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In Erwartung des Staffelstabs: Paul als zweiter Läufer bei der 4×400 m-Staffel

Langsam wurde es ernst. Nur noch knapp vier Wochen bis zum Tag X. Olaf und Bernd erarbeiteten einen Trainingsplan für die Zeit bis zur Norddeutschen Meisterschaft. Seit der Aushändigung nannte ich ihn fortan nur noch den „Masterplan NDM“.
Am 15. Juni startete ich als Auszubildender beim DAK-Firmenlauf im Volkspark Potsdam. Bei gewittriger Luft kam ich noch vor den ersten Tropfen ins Ziel und wurde über eine Distanz von etwa 4,8 Kilometern insgesamt 44. in einer Zeit von 18:59 Minuten. Das bedeutete eine Steigerung der Zeit aus dem Vorjahr um exakt eine halbe Minute.
Drei Tage später lief ich bei einem Wettkampf im Stadion Wuhletal in Berlin-Marzahn 100 m und 200 m. Der 100 m-Lauf brachte mir eine Bestzeit (12,55 sec.) und beim 200 m-Lauf verpasste ich eine Bestzeit nur um sechs Hundertstel (24,93 sec.).
Am Freitagabend des 24. Juni starteten einige Sportlerinnen und Sportler vom PLC bei der Preußischen Meile. Mich verschlug es jedoch ins Berliner Mommsenstadion, um beim Mittsommernachtssportfest zu starten. 15 Tage vor Tag X war das gleichzeitig auch ein Tartanbahntest. Der Test der Deutschen Bahn bei der Anreise ging schön schief: Vom Potsdamer Hauptbahnhof zum Stadion brauchte ich durch gehörige Verspätung der Züge mehr als anderthalb Stunden, wodurch ich ziemlich knapp vor dem ersten Start im Stadion eintrudelte. Für 19:15 Uhr war der 800 m-Lauf an diesem hochsommerlichen Tag angesetzt. Ursprünglich sollte ich von Bahn 8 starten. Da es diese nicht gab und ich die Kampfrichter darauf hinweisen musste, wurde ich auf Bahn 6 verwiesen. Dieser Slapstick der Kampfrichter brachte mich leicht aus dem Rhythmus, verhinderte allerdings nicht eine erneute Saisonbestzeit (2:04,14 min.). Einen 200 m-Lauf um 21:10 Uhr lief ich dann noch in 25,01 Sekunden.
Ich spürte, dass es immer besser lief, im Training und bei den Wettkämpfen. Weil es schon im Vorjahr zu einer neuen Bestzeit verhalf, kaufte ich mir auch in diesem Jahr knapp zwei Wochen vor dem größten Wettkampf neue Spikes. Die neuen Schuhe erwiesen sich in den nächsten Trainingseinheiten als Glücksgriff und auch Olaf fand sie auf Anhieb richtig gut.
Sieben Tage vor Tag X stand ein letzter Test beim Sommersportfest in Berlin-Marzahn an. Mit den neuen Spikes lief ich 100 m in 12,83 sec. und kurze Zeit später die 400 m in 54,43 sec., meine viertbeste Zeit über diese Strecke. Vor allem die 400 m lief an diesem Tag richtig gut und gab viel Selbstvertrauen für die 800 m am Tag X. Über beide Distanzen wurde ich Dritter bei den Männern und erhielt dafür jeweils eine Bronzemedaille.

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Abwartend, fokussiert, beim Essen und in Gedanken schon beim Tag X: Paul auf der Tribüne des Sportplatzes Allee der Kosmonauten

Nur noch wenige Tage bis zum Tag X. Bernd fragte während eines lockeren Dauerlaufs, ob ich gut drauf sei fürs Wochenende. Ich antwortete, dass ich das nicht beantworten könne und sich das am Tag X ja zeigen müsse. Er leitete seine Frage an Tom weiter, der diese bejahte. Und schließlich hat mir Bernd auch noch gesagt, dass ich gut drauf sei. Na dann! Olaf lobte die zuletzt sehr stabilen Leistungen und war sich einer Bestzeit absolut sicher: Ich müsste mich nicht mal wundern, wenn ich am Tag X plötzlich unter zwei Minuten laufe. Und wie sah ich die ganze Sache? Ich selbst blieb bescheiden und erwartete lediglich eine Saisonbestzeit, also eine Zeit von 2:03 Minuten, eventuell ja sogar eine Zeit von 2:02 Minuten.
Und dann war er da. Der 9. Juli. Tag X. 800 Meter im Mommsenstadion zu Berlin-Charlottenburg. Norddeutsche Meisterschaft. Als ich morgens aus dem Fenster schaute, war das Wetter noch nicht so schön sommerlich mit Sonnenschein und Wärme, wie ich mir das vorstelle. Na ja. Es hieß erst einmal: Wer hat, der kann. Wer einen kurzen Anreiseweg und eine recht späte Startzeit um 16:15 Uhr hat, der kann auch ganz in Ruhe frühstücken, wie ich das dann auch machte. Ein erstes Aufwärmprogramm machte ich am Hafen, direkt an der Havel. Danach allerdings waren meine Beine ziemlich schwer, ausruhen jedoch tabu, dafür war nicht mehr genug Zeit vor dem Lauf. Nach einer kurzen und sehr hilfreichen Beinmassage durch meine ältere Schwester, war ich dann wieder gelockert und machte mich so langsam auf den Weg in Richtung Potsdams größter Vorstadt. Da die Züge an diesem Tag sehr pünktlich unterwegs waren, war ich früh im Stadion und konnte mich dort ganz in Ruhe erwärmen. Ganz in der Nähe vom Stadion befindet sich übrigens der Drachenberg … und ich war „on fire“! Es war 15:45 Uhr, als ich in den sogenannten Callroom musste, um mich anzumelden. Dort wurde dann zunächst geprüft, ob das Shirt ausreichend beschriftet ist. Das war ja bei mir der Fall. Und dann wurden auch die Spikes auf ihre Zulässigkeit bezüglich der Dornenlänge überprüft. Stolz zeigte ich meine neuen Spikes, gegen die der Kampfrichter nichts auszusetzen hatte. Einige Sportlerinnen und Sportler blieben dann auch im Callroom sitzen und warteten ab. Sitzen und das in einem stickigen Raum? Nichts für mich! Deshalb verkroch ich mich auch wieder aus dem Callroom und kam rechtzeitig, als Kampfrichter Sidney die 800 m-Läufer zum Start begleitete. Großes Glück für mich: Der „langsamste“ von drei Zeitläufen war zuerst. Also musste ich nicht lange warten. Klärchen hatte nach den vielen 100 Meter-Läufen zum ersten Mal an diesem Tag richtig Bock und zeigte sich pünktlich in Bestform. Von Bahn 2 ging es für mich los. Augen zu und durch, im wahrsten Sinne des Wortes. Nach 100 Metern reihte ich mich recht weit hinten in das Feld ein. Mich konnte allerdings dadurch auch kaum jemand überholen. Selbiges tat ich allerdings vor allem auf den letzten etwa 150 Metern, als ich in meinem Endspurt noch Läufer überholte und am Ende im Zeitlauf Sechster wurde. Doch wie war die Zeit? Nach dem Lauf sprach ich am Tribünenzaun mit Matthias, Robert und Lance. Sie hätten eine Zeit knapp über zwei Minuten gesehen, auf der elektronischen Anzeige wohlgemerkt. Lange musste ich auf die Ergebnisliste warten. Und dann hing sie da. Und dann stand da drauf: „22. 259 Hesse, Paul 1994 Potsdamer Laufclub 2:00,87“. Bestzeit!!! Grenzenlose Freude.
Damit ist mir ein nächster großer Schritt gelungen. Ein großes Danke an alle, die an diesem Erfolg mitgewirkt haben.
Ein Dank gilt auch dem Berliner Leichtathletikverband, der diesen Wettkampf sehr professionell und einer Meisterschaft würdig durchführte.

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Vielleicht steht er eines Tages auch mal bei einem ganz großen Wettkampf im Olympiastadion: Paul neben einem Plakat vom Berliner Leichtathletikverband

Vielen Dank für die vielen Gratulationen!!!

Mit der neuen Bestzeit ist mir ein großer Wurf gelungen …
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… und ich hoffe, dass ich auch in Zukunft noch große Sprünge nach vorn machen kann.
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Laufen aus Freude

Paul

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