Laufbericht 44. Rennsteiglauf vom 21. Mai 2016

Der Rennsteiglauf ist durch seine Höhenlage bekannt für seine Wetterkapriolen. Schneefall, Hitze, Sturm und Regen – und das durchaus innerhalb des Lauf-Wochenendes – sind keine Ausnahmen, sondern eher die Regel. Für dieses Jahr war zwar schönes Wetter vorausgesagt, gleichwohl plant der vorsichtige Läufer stets mit einer Ausrüstung, die notfalls auch einen Aufenthalt in Polar- und Wüstenregionen zugleich ermöglicht und auch eine angemessene Garderobe für das Festzelt umfasst. Da ich in unserem Vier-Bett-Zimmer in Schmiedefeld stets das Bett am Ende des Zimmers bekomme, hatte ich es auch dieses Jahr wieder leicht, meine vier Packsäcke mit dem Nötigsten so unterzubringen, dass sie keine Stolperfallen darstellten.
In diesem Jahr wollte ich wieder den Marathon bestreiten und damit diese Strecke zwischen Neuhaus und Schmiedefeld zum dritten Mal laufen. Am Vorabend des Laufs war unter anderem die Frage zu klären, mit welchen Schuhen ich den Marathon laufen werde. Beide Schuh-Paare harmonierten farblich mit unserer Vereinskleidung, was die Wahl leider nicht erleichterte. Ich entschloss mich nach Rücksprache und Beratung durch Jutta und Bärbel für die Cross-Schuhe, mit denen ich zuletzt in den Ravensbergen unterwegs war.
Dieses Jahr habe ich keine Fotos während des Laufs geschossen, aber Wolfgang wunschgemäß einige Impressionen vom Neuhaus vor dem Start via E-Mail gesendet. Wolfgang hat im Gegenzug alle Zwischenzeiten von uns online verfolgt.

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Die Transferbusse ab Schmiedefeld reichten geradeso aus, um alle Läufer zum Start nach Neuhaus zu bringen, da erstmals mehr als drei Tausend Starter für den Marathon angemeldet waren. Vor dem Start sorgten das schöne Wetter (sonnig, fast 18 Grad), die Läuferversorgung in der Halle und der Schneewalzer für die richtige Stimmung und um 9:00 Uhr ging es pünktlich los zum 44. Rennsteig-Marathon.
Die Strecke wurde dieses Jahr von 43,5 km auf 42,2 km gekürzt, gleichwohl folgte sie überwiegend dem Verlauf des Rennsteigs zwischen dem Start- und Zielort. Dies bedeutete, dass es nach wie vor wichtig war, seine „Körner“ auf den ersten zwanzig Kilometer gut einzuteilen, da die zweite Streckenhälfte einige kräftezehrende Steigungen aufweist. Diese liegen sich vor allem zwischen Kilometer 20 und 30 und leisten somit einen ungemein hilfreichen Lösungsbeitrag für die Frage, warum man sich diesen Lauf wieder antun musste …
Die Landschaft ringsrum lässt darauf nur die einzig richtige Antwort zu: weil der Rennsteig zu den schönsten Marathon-Crossläufen Europas zählt und die Zuschauer die Läufer besonders an den schweren Abschnitten vom Anfeuern bis zu Instrumentaleinlagen alles tun, um den Lauf zu bewältigen. Dabei darf auch die Blaskapelle beim Heubad „Arnika“ kurz vor dem Masserberg nicht unerwähnt bleiben. Seit Jahr und Tag hat dort ein älterer Herr das Glück, hier und da einige Läuferinnen zu einer Tanzeinlage bewegen zu können.
Ab Kilometer 20 bin ich zusammen mit einer in Schleusingen aufgewachsenen und dort inzwischen wieder ansässigen Läuferin gelaufen. Wir haben uns ausgesprochen angenehm unterhalten. Es stellte sich heraus, dass sie viele Jahre in Potsdam gewohnt und einen der ersten Döner-Imbiss-Stände (Bahnhof Potsdam-West) nach der Wende betrieben hatte. Ja, so klein ist die Welt.

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Das Wetter blieb bis auf einige leichte Windstöße auf der Höhenwiese bei Kahlert stabil und ich war vielmehr froh, dass es nicht noch wärmer war als die zuletzt erreichten 20 bis 25 Grad. Das schöne Wetter sorgte auch dafür, dass die anfangs vielfarbigen Socken und Schuhe der Läufer (einschließlich interessanter und zumindest teilweise echter Lauf-Tattoos) über kurz oder lang alle den erdfarbenen Ton des Porphyrs annahmen – des Gesteins, dem wir das Gebirge des Thüringer Waldes und damit letztlich auch den Rennsteig zu verdanken haben. Es wäre daher nur recht und billig, diesen Millionen Jahre alten Schaffensprozess angemessener zu würdigen, als die gebrauchte Laufkleidung einfach nur mit spitzen Fingern der Waschmaschine zuzuführen – wobei dies aus olfaktorischer Sicht unbestritten zu begrüßen sein dürfte.
Mein Ziel war es, dieses Jahr wieder eine Zeit unter sechs Stunden zu laufen. Ich habe daher an den Verpflegungsständen auf so manchen Becher Haferschleim verzichtet und mich nur mit etwas Wasser und Obst begnügt. Es mag sein, dass dies einige (wenige) in Zweifel ziehen mögen, aber ich kann auch an dieser Stelle nur versichern: es ist mir durchaus schwergefallen! In Frauenwald den Becher Bier bei Kilometer 37 nicht anzunehmen, kam jedoch nicht in Frage, zumal auch das Köstritzer den mentalen Flügeln die nötige Spannweite für die letzten fünf Kilometer verlieh.
In Schmiedefeld empfingen uns an der Fleischerei alle Mitstreiter des Potsdamer Laufclubs, die ihre Strecken bereits absolviert hatten oder als Begleiter mitgekommen waren. Sie bewiesen wieder einmal durch motivierende Zurufe und Einlagen, dass ein Bild der PLC-Fangemeinde zu Recht Eingang in das Werbematerial für den Rennsteiglauf gefunden hat. Ich kann daher nur vielmals „Danke“ sagen.
Die Zeitanzeige im Ziel zeigte etwas über 6:02 Stunden an. Zeitmessungen eines nach mir angekommenen Läufers mit 5:58 ließen die Hoffnung sprießen, dass es mit einer Zeit unter 6:00 Stunden vielleicht geklappt hatte. Letztlich betrug meine Zeit jedoch 6:00 – und 47 Sekunden, womit ich jedoch mehr als zufrieden bin, da ich alles, was möglich war, in den Lauf gesteckt und ihn dennoch genossen habe.

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Das Bewegungsprogramm am Abend im Festzelt hat dann auch so manchen Muskelkater vertrieben. Ich habe daher schon wieder mit leichten Dehnungen und mit (vorsichtigen) Übungen auf der Faszienrolle angefangen, denn auf der Internetseite des Gutsmuths-Vereins war schon wieder zu lesen:
„Nur noch 363 Tage bis zum Rennsteiglauf…“

Jean-Luc Gerlach

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