„Du kannst nicht immer fliegen…

…aber du kannst trotzdem schnell laufen”, hat mir mein schlauer Trainer im letzten Jahr mal gesagt, als ich völlig verzweifelt über das nicht erholte Gefühl meiner Beine vor einem Wettkampf war.
Nach meinem Doppelstart bei den Landesmeisterschaften vor 1.5 Wochen ist es mir wirklich schwer gefallen, noch 2 schnelle Trainings zu laufen und zu den Hochschulmeisterschaften in Frankfurt am Main im richtigen Erholungszustand zu sein. Es hat sich immer mal wieder so gar nicht nach fliegen angefühlt… Viel Schlaf, ein Motivations-Kapitel aus meinem Lieblingslaufbuch, durch die Küche tanzen mit meiner Mitbewohnerin und dieser schöne Satz haben geholfen, am Mittwoch hochmotiviert an der Startlinie zum 3000 m Lauf zu stehen.
Ziemlich schnell sah es nach dem Startschuss genau so aus, wie nach der Meldeliste zu erwarten war: Ich an vierter Stelle mit deutlichem Abstand zu den ersten drei und eine Verfolgerin einige Meter hinter mir. Die ersten zwei Kilometer waren sehr kontrolliert ungefähr in 3:25 und 3:27, es war ok, aber alles alleine machen müssen ist natürlich nicht so vorteilhaft für eine schnelle Zeit. Nach 10 Runden merkte ich, dass es doch noch so gut geht, dass ich einen Versuch starten könnte, die letzten 1000 m ein bisschen schneller zu laufen. Plötzlich kam ich immer näher an die Dritte ran. Im Moment, als ich das merkte, passierte aber 3 Runden vor Schluss etwas anderes: die Führende, mit einer Bestzeit von 9:05 gemeldet, überrundete mich, aber hatte sehr zu kämpfen. Als ich an meinem Vater vorbei kam, der mich diese Woche zu den abschließenden Wettkämpfen meiner Hallensaison begleitet, wurde mir klar, dass ich jetzt das machen muss, was er mir beim Frühstück für diese Situation im Spaß geraten hatte: dran zu bleiben, wenn ich überrundet werde. Also hinter der Führenden ranlaufen an die Dritte, die sehr erstaunt war, aber auch noch mal zu einem unglaublichen Schlussspurt ansetzen konnte. Zusammen machten wir das Überrunden wieder rückgängig. Sie behielt einen kleinen Vorsprung bis ins Ziel, aber ich wurde in eindeutiger neuer Bestzeit von 10:10,12 eine Sekunde hinter ihr überglückliche Vierte mit einem letzten Kilometer unter 3:20.
Und plötzlich ging es dann doch wieder zu fliegen und die Fliegmomente sind immer höchst wundervolle emotionale Momente!

Jule

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