REACH UP, L.A. …

„Reach up, L.A., … we can change the world forever,“ “Auf geht´s, L.A., lasst uns die Welt verbessern … “, so lässt sich der Kern des Songs der Special Olympics World Games vom 25.7.- 2. 8. in Los Angeles etwa interpretieren. Und L.A. hat sich angestrengt, hat die Hände nach oben gerissen, ausgestreckt und sich großartig bemüht, herzliche Gastgeberin für das größte Sportereignis seit den Olympischen Spielen 1986 in dieser Stadt zu sein! Vielen, vielen Dank! Für zehn Tage stand die Stadt im Zeichen des freundschaftlichen Wettkampfes von ca. 7.000 Athlet_innen mit geistigen und mehrfachen Beeinträchtigungen aus 177 Ländern, mit 35.000 ehrenamtlichen Helfer_innen und 1.500 Journalist_innen. Insgesamt war diese Zeit mit drei Tagen der Begrüßung aller Delegationen in 100 gastgebenden Gemeinden Kaliforniens zwischen San Diego im Süden und San Luis Obispo im Norden sowie anschließend mit einem straffen sportlichen Programm an unterschiedlichen Wettkampforten in Los Angeles und an der Küste in Long Beach angefüllt. Die insgesamt 194 Teilnehmer_innen umfassende deutsche Delegation (Athlet_innen, Coaches, Trainer_innen und Verbandsoffizielle) wurde in Monterey Park, 30 km außerhalb von Los Angeles mit einem vielfältigen Kulturprogramm und herzlichen deutsch-amerikanischen Begegnungen empfangen, bevor es dann am Sonnabend der ersten Woche im Loker Stadion der Universität von Südkalifornien (USC) für Jann mit den ersten Vorläufen sportlich zur Sache ging. An diesem ersten Abend feierte die Stadt auch im Coliseum, das seinerzeit für die Olympischen Spiele ähnlich wie unser Olympiastadion, errichtet worden war, mit fast 60.000 Besucher_innen die Athlet_innen, die in der Mitte des Stadions nach einer schier endlosen Prozession Platz fanden. First Lady Michelle Obama hob in ihrer Eröffnungsrede nach einer Videoansprache ihres in Kenia weilenden Mannes den Gedanken der Inklusion hervor, die sich wie ein roter Faden, insbesondere mit den sogenannten Unified Teams durch die Spiele zog. Dazu trug auch die deutsche Delegation durch Teilnahme u.a. in den Disziplinen Kajak, Tischtennis, offshore Schwimmen oder Halbmarathon bei. Stand die sportliche Seite der in homogenen Leistungsgruppen durchgeführten Wettkämpfe zwar im Vordergrund, so war doch die inoffizielle Begegnung zwischen unterschiedlichen Nationalitäten und Kulturen mindestens gleichbedeutend für die Athlet_innen, die sich als Teil der Einen Welt von Sportlern wahrnehmen konnten. Einige der Bilder, die Ihr im Anhang öffnen könnt, reden dazu ihre eigene Sprache. Hier beeindruckten Multikulturalität und Inklusion, auch als Ausdruck öffentlichen politischen Bewusstseins, selbst wenn immer wieder rassistische Rückfälle in den USA für Aufmerksamkeit sorgen.

Jann war für 400 m, 800 m, und die 4 × 400 m Staffel gemeldet und hat in diesen sieben Tagen in jeder Disziplin einen Vor- und einen Endlauf bestritten. Hier traf er auf starke, vor allem außereuropäische, besonders afrikanische und arabische Konkurrenz, anders noch als im Mai letzten Jahres bei den nationalen Wettkämpfen in Düsseldorf, bei denen er dreimal Gold erkämpfte. Erschwerend kam eine schwül-drückende Hitze hinzu, in der sich seine Konkurrent_innen aus Kenia, Senegal oder Bahrain sicher eher zuhause fühlten als Jann aus Mitteleuropas gemäßigtem Klima. Man darf eben nicht außer Acht lassen, dass Los Angeles etwa auf nordafrikanischer Breite liegt. Dennoch schlug sich Jann wacker und wurde auf der 800m-Strecke in einer Zeit von 02:13.63 nach zwei Läufern aus Bahrain und Kenia mit der Bronzemedaille belohnt. Im Vorlauf zu dieser Disziplin (2. Platz mit 02:19.65) lässt sich auch aus den Fotos seine Taktik erkennen, die schon in Düsseldorf erfolgreich gewesen ist, nämlich erst im letzten Drittel des Laufs das Tempo anzuziehen und nicht sofort nach dem Start die Spitze zu übernehmen. Nicht ganz so erfolgreich zeigte sich die 4 × 400 m Staffel, die im Endlauf mit einer Zeit von 04:09.06 den vierten Platz in ihrer Gruppe errang. Schneller waren hier die Staffeln aus Botswana und den Bahamas, am schnellsten jedoch die Mannschaft aus Litauen mit knapp 3 Sekunden Vorsprung. Jann hatte keine Chance, als Schlussläufer und schnellster seiner Staffel einen der Läufer aus dem Süden zu schlagen und seinem Team zu einem dritten Platz zu verhelfen. Es bleibt als Trost, dass die deutsche Staffel gesamteuropäisch und für die Länder des Nordens insgesamt an zweiter Stelle lag, noch vor der Staffel der USA. Die Bilder, die während des Staffellaufs entstanden, machen deutlich, dass leidenschaftlich gekämpft wurde und dass der Teamgeist trotz allem nicht auf der Strecke blieb.
Weniger erfolgreich gestaltete sich Janns Start in der 400 m Disziplin. Im Endlauf verfehlte er seine Spur, übertrat die Linie nach Angaben unseres Headcoaches nur minimal kurzzeitig und wurde deswegen disqualifiziert. Hier hätte seine Zeit mit 00:57.42 zu einem fünften Platz gereicht.
Als begleitende Eltern erlebten wir mit Jann zusammen ein sportliches Highlight seiner Läuferkarriere. Special Olympics Deutschland, insbesondere Janns Headcoach Leichtathletik Björn v. Borstel sei für die sportliche Betreuung in Los Angeles gedankt. Die gelebte Inklusion im Sportalltag unseres Vereins war für Jann die entscheidende Voraussetzung seiner läuferischen Entwicklung in den letzten elf Jahren. Allen Lauffreunden, Christian Löhr mit Janns Förderung in den ersten Jahren, dem Vorstand und insbesondere Janns Trainern Olaf und Detlef in der schwierigen Phase der Vorbereitung auf diese technischen Disziplinen, die andere Kompetenzen erfordern als die Cup-Läufe, an denen sich Jann beteiligt, sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt. Dank auch an die begleitenden Profi-Fotografen Luca Siermann und Jörg Brüggemann, denen manch guter Tipp und das eine oder andere der Fotos in dieser Reihe zu verdanken ist.

Annemarie und Hanns

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