Medoc 2013 – der etwas andere Marathon

Liebe Lauffreunde,

mit einiger Sorge aufgrund meiner doch recht erheblichen Trainingsausfälle in diesem Jahr habe ich mich mit dem mir sportlich verbundenen Teil meiner alten Abi-Klasse und meiner Familie auf den Weg ins Medoc gemacht, dort einen Marathon zu bewältigen. Im Vorfeld hatte ich zwar schon von vielen gehört, dass dieser Lauf etwas anders in seiner Art und sehr viel entspannter als ein “normaler” Marathon ist. Was ich dann aber erlebte, übertraf meine Vorstellungen deutlich.

Zunächst waren wir bei den Vorbereitungen damit beschäftigt, ein Outfit auszuwählen. Von Rennsteig und Frauenlauf war ich ja schon die eine oder andere Verkleidung gewohnt, so dass wir mit der Themenvorgabe “Science Fiction” im Kopf ein dem guten alten Star Treck nachempfundenes Shirt in Captain Kirks schickem Kommandantengrün entwarfen.

Was wir aber am Start an anderen Verkleidungen sahen, ließ uns nur noch staunen. Mit einigen Kostümen schien es kaum vorstellbar, einen Marathon laufend zu bewältigen. Es wurde schnell noch klarer, dass Nettozeiten und Platzierungen bei diesem Lauf keine ernsthafte Rolle spielen. Viel wichtiger waren Spaß, Genuss, “Weinverbrauch” und Unterhaltung auf der Strecke. Es wurden Weinfässer, Straßenwalzen und sogar ganze Raumschiffe über die Strecke geschoben.

Mit Freude habe ich natürlich auch unsere PLC-Freunde entdeckt und mit Peggy und André, Detlef, Franziska, Daniela und Matthias einige Abschnitte dieses sehr ungewöhnlichen Laufes zurückgelegt. Insofern kann ich ja schon auf Matthias‘ ausführlichen Bericht hinweisen, der etwas eher als ich aus Frankreich zurückgekommen ist und ihn somit schneller als ich einstellen konnte.

Bereits nach zwei Kilometern konnte, wer wollte, den ersten köstlichen Rotwein probieren. Bis zu diesem Punkt ging es für alle, die nicht in der ersten Reihe gestartet waren und statt auf Genießen und Wein verkosten wirklich auf schnelle Zeiten aus waren, im Wandertempo voran. Mehr ließ der Rückstau nicht zu.

Entsprechend entschleunigt ging es im Anschluss durch Weinberge auf einem als Acht ausgestalteten Rundkurs über 42,195 km von Pauillac nach Pauillac quer durch das schönste Weinanbaugebiet Frankreichs, das Medoc.

An den zahlreichen Chateaus auf dem Weg gab es, mal im Plastikbecher, mal stilvoll im Glas, die köstlichsten Weine der berühmten Weinregion und wir gönnten uns, entgegen unserer ursprünglichen Vorsätze, früher und reichlicher als geplant die edlen Tropfen. Der Lauf wurde dadurch zu einer einzigen Party.

Am Chateau de Rothschild gab es außer köstlichen Weinen auch die Galerie der Oldtimer der Familie zu sehen, so dass sich die Mannschaft der “Enterprise” vor schöner alter Technik mit neu entdeckten Außerirdischen ablichten lassen konnte.

Am Kilometer 30 war genügend Zeit für ein Gruppenfoto bekannter und unbekannter Irdischer und Außerirdischer in weinseliger Laune. Nun konnte der gemütliche Teil richtig beginnen mit Kuchen oder Cracker, Käse und Schinken zum Wein.

Gegen Ende des Kurses, ab Kilometer 37, begann die Genießermeile des Laufes mit Austern und
Weißwein, mit Entrecote, Käse und Eis.

Ab hier begann der fünf Kilometer lange “Schlusssprint” mit Köstlichkeiten der Region und den letzten der leckeren Weine vor dem Ziel.

So kamen wir nach entspannten 5:36 h glücklich, nicht mehr ganz nüchtern und gut gesättigt im Ziel an. Auch Norbert hatte nach 5:45 h die Distanz erstmalig bewältigt, war bei Weitem nicht erschöpft und geht jetzt – so fürchte ich – davon aus, bei allen Marathons so liebevoll beköstigt zu werden.

Am darauf folgenden Tag gab es zur Erholung und Vermeidung des nüchtern Werdens noch die ultimative Weinwanderung.

Von dieser und natürlich vom Marathon selbst haben wir uns dann noch ein paar Tage an der wunderschönen Atlantikküste erholt.

Alles in allem war es für mich eine tolle Geburtstagswoche, die ich so schnell nicht vergessen werde. So kann man stilvoll in das nächste halbe Lebensjahrhundert starten!

Liebe Grüße Euch allen von

Kerstin

Weiterführende Links:

Lauftreff 2000

Medoc

Fotos