Laufbericht 12. Müritzlauf (Städtelauf Röbeln – Waren/Müritz) vom 18. August 2012

Jutta hatte mir in diesem Jahr den Müritzlauf schmackhaft gemacht. Am 17. August 2012 fuhren wir drei – Jutta, Wolfgang und ich – also in Richtung Waren. Meine Befürchtungen, dass wir entgegen den Versicherungen beider van Stratens keinen Übernachtungsplatz in der Turnhalle erhalten würden, erfüllten sich erfreulicherweise nicht. Wir waren zuletzt insgesamt 15 Läuferinnen und Läufer und hätten in der frisch renovierten Turnhalle der örtlichen Schule mindestens noch die zehnfache Menge an Übernachtungsgästen aufnehmen können. Der Eisenbahner Sportverein Waren e.V. – ESV hat für unsere Betreuung drei Mitstreiterinnen abgestellt, die sich rührend um uns gekümmert haben (einschließlich Gepäckbewachung und Bewirtung mit Kaltgetränken, Kaffee und köstlichen selbstgebackenen Kuchen).

In der Innenstadt haben wir an diesem Abend noch unsere Startunterlagen abgeholt und haben den Tag in einem italienischen Restaurant am Stadthafen, dem Zielort der beiden Läufe ausklingen lassen. Die Nacht hat leider nur wenig Schlaf gebracht, was neben der Aufregung (neue Distanz und Strecke) auch daran lag, dass die Notbeleuchtung ziemlich grell war. Das nächste Mal werde ich daher wohl eine Schlafmaske mitnehmen (ab 40+ sind die Sturm- und Drangjahre schließlich vorbei und man ist für jedes Quantum Schlaf dankbar). Jutta behalf sich mit einem Shirtärmel – mir blieb diese Idee leider verwehrt. Wolfgang war zudem mehr als erleichtert, dass das Plüschtier beim Schlafsack seiner Nachbarin nicht auf agilen und mitteilungsbedürftigen Läufernachwuchs (klingt doch viel besser als potenzieller Plagegeist, oder?) hinwies, sondern sich als Talisman einer (erwachsenen) Radbegleiterin herausstellte.

Schnarchgeräusche störten übrigens nach einhelliger Meinung aller drei von uns (wirklich aller) nicht den nächtlichen Frieden, was abermals beweist, dass der Erstbericht zum Fünf-Seen-Lauf 2010 letztlich auf geradezu an den Haaren
herbeigezogenen Argumenten beruhte (wissende Leser werden das sicher schon damals erkannt haben).

Unser Lauf – der Städtelauf über 26,5 km, übrigens wegen des gleichzeitig laufenden Ultramarathons über 75 km (vollständige Umrundung der Müritz) als Kurzstrecke ausgewiesen … – startete erst um 11:00 Uhr, so dass wir eigentlich um 8:00 Uhr aufstehen wollten. Da aber alle übrigen Übernachtungsgäste am Ultramarathon teilnahmen und somit bereits ab 6:00 Uhr aufstanden, blieb uns auch nichts anderes übrig als um 7:00 Uhr aufzustehen.

Weil die Vorhersagen keinen Zweifel am bevorstehenden Wetter (28° C, keine Bewölkung) ließen, habe ich meinen Wassergürtel und Elektrolytgel mitgenommen. Meine Schirmmütze mit rückwärtigem Nackenschutz (Modell “Fremdenlegion”) lag bereits am Abend bereit, ebenso Sonnenschutzcreme (LSF 50) und Mückenspray. Läuferhaut (insbesondere männliche) ist schließlich kostbar und v. a. sensibel.

Obwohl die Ausschreibungsdaten auf der Internetseite des ESV eigentlich die Aufforderung enthielten, bis zum 10. August 2012 einen ggf. notwendigen Platz für den Transferbus von Waren nach Röbeln um 9:30 Uhr, dem Startort anzumelden, fanden wir drei problemlos einen Sitzplatz und konnten uns bei der Fahrt schon so unsere Gedanken zum Streckenverlauf machen. Am Zielort um 10:00 Uhr angekommen, vertrieben wir uns die verbleibende Stunde mit der Verkostung des Verpflegungsangebotes und dem Einlaufen.

Um 11:00 Uhr gab dann ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung nach einer flammende Rede den Startschuss ab. Auf den ersten 10 Kilometern lief alles eigentlich noch ziemlich glatt. Die Strecke war abwechslungsreich gestaltet. Neben Anstiegen im prallen Sonnenlicht in der Feldmark gab es auch Streckenabschnitte in kühlen Buchenwäldern und Erlenmooren. Die Verpflegungsstände waren entgegen den Erfahrungen der Vorjahre zahlreicher vorhanden und wiesen keine all zu langen Abstände auf. Trotz des durch das Mikroklima der Müritz herrschenden leichten Windes forderte die sommerliche Hitze leider ihren Tribut. Hinzu kam die irrige Annahme, ab dem Schloss Klink wären nur noch 5 Kilometer zu laufen, leider habe ich im Geiste die 1 vor der Streckenangabe ignoriert. Der ESV hat in seiner Internetseite auf den anspruchsvollen Streckenverlauf mit zahlreichen Anstiegen hingewiesen und hatte Recht behalten.

Ich habe feststellen dürfen, dass 26,5 Kilometer nicht nur ein leicht erweiterter Halbmarathon sind, sondern 5-6 Kilometer wesentlich mehr “Körner” erfordern. Angesichts dieser Umstände bin ich mit der erreichten Zeit von 3:27 h zufrieden, obgleich ich eine Zeit von < 3:00 h anvisiert hatte. Im Ziel angekommen hatte ich das Gefühl diesmal wirklich alle meine verfügbaren Energiereserven verbraucht zu haben. Die Wasservorräte und die Elektrolytgel-Beutel waren restlos aufgebraucht und an den Verpflegungsstellen habe ich regelmäßig zu Wasserbecher und Schwamm gegriffen. Rückblickend betrachtet, empfinde ich diesen Lauf aber auch als interessante Bereicherung meines Erfahrungsschatzes, weil ich nunmehr eine ungefähre Vorstellung haben, was unter dem “Mann mit dem Hammer” zu verstehen ist. Die Massage im Zielbereich, ein einstündiger Mittagsschlaf sowie Kaffee und Kuchen weckten jedoch ziemlich schnell wieder die Lebensgeister. Auch der Heidelbeereisbecher und eine doppelter Espresso beim besagten Italiener taten dabei ihr gutes Werk. Wir haben übrigens Annett Bahlcke getroffen, die am Ultramarathon teilgenommen hatte (4. im Gesamtlauf und in ihrer Altersklasse). Sie bewertete den diesjährigen Müritzlauf als gute Vorbereitung für einen Ultramarathon in Griechenland. Jutta und Wolfgang hingegen empfanden den Städtelauf ebenfalls als anspruchsvoll und werden künftig derartig lange Strecken nie mehr bei diesem Wetter laufen. Wer über diese Brücke gehen will, sollte jedoch bedenken, dass beide dennoch jeweils Sieger in ihren Altersklassen geworden sind und in der Gesamtwertung den 33. bzw. 32. Platz belegt haben. Insgesamt betrachtet, schätze ich den Müritzlauf als landschaftlich reizvoll und anspruchsvoll ein und kann nur jeden einladen, sich auf diese Erfahrung einzulassen (nicht zuletzt auch wegen der hervorragenden Betreuung durch den Ausrichter ESV). Es besteht übrigens auch die Möglichkeit, die 75-km-Distanz als Team in einem Staffellauf zu absolvieren. Vielleicht finden sich ja genügend Mitstreiter ... Jean-Luc Weiterführende Links: Lauftreff 2000

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