Cyprus Int. 4-Day Challenge vom 26. bis 29. November 2009

48,6 km in 4:26:47 h – Ein Laufbericht
Nachdem ich Ende November 2009 eigentlich nur geschäftlich in Zypern unterwegs war (wobei ich ja jedes Jahr mindestens einen Marathon in Zypern absolviere und damit die deutsche Fahne hochhalte) und nur durch Zufall von der zeitgleich stattfindenden Cyprus International 4-Day Challenge erfahren hatte, nahm ich bei sommerlichen 25° C als einer von 225 Läufern an der 4-Tage-Zypern-Challenge teil. Eine tatsächlich unvergleichbare, unvergessliche Erinnerung in atemberaubender Landschaft, zumal die sonst so trockene zypriotische Erde nach vorherigen intensiven Regenfällen ergrünt war.

Läufer aller Altersklassen (der älteste Teilnehmer zählte bereits 73 Jahre), vorwiegend aus Großbritannien, Deutschland, Zypern, aber auch aus Südafrika, lieferten sich einen fairen Wettkampf von jeweils unterschiedlichen Ausgangspunkten der Insel zu Zielen, die imposanter und idyllischer nicht hätten sein können.

Am 1. Tag fand am Coral Beach ein 6-km-Zeitrennen statt (für mich die schwierigste Etappe, da ich nur noch lange Läufe gewöhnt bin und mich zum Sprintrennen nicht wirklich motivieren kann), ein 27-Minuten-Lauf entlang prächtiger Villen und … eine für mich respektable Zeit.

Der 2. Tag wurde anspruchsvoller. Vom Meeresspiegelniveau am Strand ging es 11 km konstant bergauf in den Nationalpark des Akamasgebirges, wobei „spielend“ ein Höhenunterschied von 690 m zurückgelegt werden musste.

Obwohl mir die Höhendifferenz von Anfang an bekannt war und ich mich daher schon darauf eingestellt hatte, sank meine Stimmung nach etwa 2,5 km, als es nach etwa 190 m Höhenanstieg wieder steil bergab ging (auf weniger als 50 m über dem Meeresspiegel) und dann der restliche Lauf wieder bergauf zu absolvieren war.

Jeder, der schon einmal einen intensiven Berglauf absolvierte, weiß sicher um die Schwere der Beine, spätestens nach 2/3 der Strecke, und den Schrei des Körpers, der auch mich dazu veranlasste, teilweise nur im Schritttempo die mitunter doch sehr steilen Anstiege zu bewältigen. Allein mein „Altersstarrsinn“ trieb mich an.

Der Lauf endete in einem typisch zypriotischen Dorf, an der Kirche von Pano Arodes, wo ein griechisch-orthodoxer Priester jeden Läufer empfing. Am Ende hatte man einen für alle Mühen entschädigenden, wunderbaren Ausblick über die atemberaubende Landschaft, angefangen vom Kopf des Akamasgebirge bis hinunter zur Küste. 1:15 h Anstrengung mit dem Ergebnis innerer Zufriedenheit…

Das Highlight und die größte Herausforderung war der am 3. Tag, mitten im Akamasgebirge startende Halbmarathon, welcher durch das Naturreservat führte und dadurch gekennzeichnet war, dass es wiederum die ersten 10 km konstant nur aufwärts ging und ein Höhenunterschied von ca. 300 m zu bewältigen war.

Dieser sowohl an sportlicher als auch an Naturvielfalt kaum zu übertreffende Lauf, vorbei an Weinbergen, niedrigen Wäldern und Tälern, die einer Mondlandschaft glichen, war in den späten Vormittagsstunden bei 25° C nur mit viel Wasser als überlebenselixir zu überstehen.

Am obersten Punkt angekommen und mit atemberaubendem Blick, so weit das Auge reichte, ging es dann ca. 700 m hinunter auf Meeresspiegelniveau, wobei das letzte flache Stück von 2 km noch einmal alles vom Körper abverlangte.

Da ich trotz der großen Anstrengungen noch Reserven hatte, genoß ich – als krönenden Abschluss und einen Laufkollegen zum Gaudi aller anderen Huckepack nehmend – ein Bad im 20° C warmen Meer. Eine Stunde und 55 Minuten, meine Endorphine überschlugen sich. Die 3. Etappe war wohl die interessanteste und spektakulärste Route überhaupt auf Zypern, wenn nicht sogar in Europa.

Am Sonntag fand dann der 10-km-Citylauf, das letzte von 4 Rennen, in der legendären Hafenstadt Paphos (im übrigen fest in britischer Hand) statt, wobei es dann noch einmal galt ordentlich zuzulegen. Meine 55 Minuten stimmten mich versöhnlich, auch wenn es LäuferInnen gab, bei denen ich mich fragte, wo diese – nach den Anstrengungen der Vortage – die Motivation und den Biss hernahmen.

Im Ziel des auch für andere Teilnehmer offenen Laufes wurde zum Abschluss griechisch getanzt und ich war überglücklich, weil ich jeden Tag noch etwas zum Zusetzen hatte und am Ende das gesponserte Freibier genießen konnte.

Natürlich bin ich nicht nur jeden Tag geschwommen und habe mich mit freundlichen Zyprioten und Läufern verständigt Am Ende eines jeden Tages habe ich auch ausgiebig die Fischmeze (5-Gänge-Menü verschiedener Fischarten) genossen, welche ich jedem nur empfehlen kann.

Ich lade alle zur 6. Cyprus International 4-Day Challenge vom 25. bis 28. November 2010 ein. Die atemberaubende Aussicht und das Einfangen des Sommers will zumindest ich mir nicht entgehen lassen. Dieses 4-Tage-Rennen stellt m. E. für jeden passionierten Läufer eine Herausforderung der besonderen Art dar, egal ob man als Erster, als Letzter oder – wie ich – als 102. ins Ziel kommt. Also, bis zum nächsten Jahr in Zypern…wie sehen uns …

(Für alle, die es interessiert: www.cypruschallenge.com.)

Jörg-Klaus Baumgart

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