Im Land der hohen Berge und freundlichen Menschen

Am 09.10.09 mache ich mich auf den Weg, mir einen lang gehegten Reisewunsch zu erfüllen. Mit 4 Freunden geht es mit dem Zug nach Frankfurt/Main. Dann besteigen wir den Flieger. Mit einem Zwischenstopp in Bahrain landen wir 27 h später in Kathmandu. Im Hotel lernen wir unseren Guide kennen, der uns die nächsten knapp 3 Wochen begleiten wird. Nach einer kurzen Nacht fahren wir um 6.00 Uhr mit einem öffentlichen Bus 6 h nach Jiri. In Jiri stoßen noch unsere drei Träger dazu und damit sind wir nun komplett und der Trek kann beginnen. Jiri ist der letzte Ort mit einer befestigten Straße. Eine offroad Straße begleitet uns noch einen Tag und danach muss alles mit Muskelkraft transportiert werden. Auf den Spuren von Hillary und Tenzing machen wir uns auf den Weg ins Solu Khumbu Gebiet, zum höchsten Berg der Welt. Dieser Weg hat zwei Vorteile: durch das ständige auf und ab ist er eine gute Akklimatisationsstrecke und er ist sehr ruhig, da die meisten die Abkürzung mit dem Flieger nach Lughla nehmen. Dabei geht es gleich am ersten Tag ordentlich zur Sache. 1425 Höhenmeter wollen bewältigt werden bis auf den Deorali Pass (2705 m). Der erste Test für unsere Kondition. Am dritten Tag steht dann der höchste Punkt des ersten Teils der Strecke, der Lamjura Pass (3530 m), auf dem Plan. Da wird die Luft schon etwas dünner. Zum Schlafen geht es immer wieder ins Tal zu schönen Lodges, wo wir uns mit dem traditionellen nepalesichen Gericht Dhal Bat, im Volksmund auch Sherpa Treibstoff genannt, die nötige Energie für den nächsten Tag holen. Am vierten Tag erhaschen wir den ersten Blick auf den Mt. Everest. An der sehr schüchtern und etwas versteckt. Nach wenigen Metern verschwindet er wieder hinter den „Hügeln“ von 6000 m. Der Weg führt uns immer wieder durch kleine Dörfer und zum Teil durch subtropische Landschaft. Da hängen äpfel und Mandarinen an den Bäumen und wächst Reis und Hirse auf den Terrassenfeldern. Wir teilen uns den Weg mit Trägern, die die Lodges in diesem Gebiet mit dem Nötigsten versorgen. Die Träger erhalten pro kg 0,50 €. Da will natürlich jeder soviel wie möglich tragen und da können es schon mal 100 kg werden. Wir betrachten jeden Träger mit viel Ehrfurcht. Am 6. Tag nähern wir uns Lughla und erleben von weitem, wie die kleinen Propellermaschinen auf einem der gefährlichsten Flugplätzen der Welt, wie in einen Bienenstock ein- und ausfliegen. An schönen Tagen landen dort bis zu 50 Maschinen, die jeweils 20 Personen transportieren können. Der Weg von Lughla stößt auf unseren und damit biegen wir auf die Wanderautobahn ein. Nun ist es mit der Beschaulichkeit für die nächsten zwei Tage vorbei. Bis Namche Basar müssen alle Menschen und Waren einen zum Teil 1 m breiten Weg passieren. Vor allem die Brücken über den Dudh Kosi werden zum Nadelöhr. In Namche Basar (3450 m) legen wir einen Akklimatisationstag ein. Wir steigen zum Everest View Hotel (3880 m) auf. Von der Terrasse des Hotels haben wir einen atemberaubenden Blick auf den Mt. Everest und den Lothse. Da erhebt sich nun der höchste Berg der Welt vor unseren Augen und der Anblick lässt mir eine Gänsehaut über den Rücken laufen. Bei einem Cappuccino und einem Stück Cremetorte in der deutschen Bäckerei in Namche versuchen wir den Anblick zu verarbeiten. Jeden Morgen bieten sich nun diese Blicke in die Bergwelt des Himalajas. Wir sind immer wieder fasziniert und können uns kaum satt sehen. Vorläufig verabschieden wir uns vom Hauptstrom der Trekker, die in Richtung Everest Base Camp gehen und nehmen ein Seitental. über Thame (3800 m), wo wir eine beeindruckende Zeremonie in einem buddhistischen Kloster erleben, und Langden (4400 m) nähern wir uns unserem Höhepunkt. Mit mühsamen Schritten, auf zum Teil vereisten Weg nähern wir uns dem Renjo La Pass. Die tibetanischen Gebetsflaggen auf dem Pass weisen uns den Weg. Nach 4 h und 1000 Höhenmetern erreichen wir den 5356 m hohen Pass und der grandiose Anblick der 4 Achttausender: Cho Oyu, Everest, Lothse und Makalu lässt uns die Strapazen schnell vergessen. Im 600 m tiefer gelegenen Gokyo (4700 m) machen wir Station. Ein Ausflug zum 5. Gokyosee lässt uns noch etwas tiefer in die Bergwelt eintauchen. Wir stehen vor einem riesigen Gletscher kurz unterm Cho Oyu. Der nächste Tag beginnt mit einer Nachtwanderung. Mit der Stirnlampe schrauben wir uns auf den 5340 m hohen Gokyo Ri. und wollen das Erwachen der Bergwelt miterleben. Der Anblick ist nochmals überwältigend. Ich befestige meine Glücksschleife, die ich in der Lodges in Jiri erhalten habe an einer Buddhafigur und hoffe, dass mir das Glück weiter hold ist. Von nun an geht es meistens nur noch bergab. über Machermo, Phortse, Tengpoche biegen wir wieder ein auf die Trekkerautobahn. In Khumjuma (3605 m) machen wir Station in einer Lodge, in der Reinhold Messner aus und eingegangen ist. Vielleicht habe ich auf der Liege geschlafen, wo Reinhold auch schon gelegen hat. Unaufhaltsam neigt sich unser Trek dem Ende zu. Die letzte Station ist Lughla. Dort erleben wir zum Frühstück, wie die ersten Maschinen landen. Selbst die Nepalesen lässt dies nicht unbeeindruckt. Sie stehen wie wir am Fenster und blicken dem Schauspiel des Landen und Starten begeistert zu. 2 h später sind wir an der Reihe. Innerhalb von 10 min wird das Flugzeug ent- und beladen. Da bleibt nicht viele Zeit zum Nachdenken und schon sind wir in der Luft. Der Flug geht auf Sicht über dem Weg den wir von Jiri zurückgelegt haben. Für uns heißt das Abschiednehmen von einer faszinierenden Bergwelt.

Matthias Beutke

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